Verwende gefälligst Firefox, du @&$%?!


Sehen wir es zuerst einmal von der nüchternen Seite. Ja, der Internet Explorer in der Version 6, die viel zu lange in Umlauf war, hatte Sicherheitsprobleme und kam mit der Entwicklung des Webs nicht mehr hinterher. Und ja, zu dem Zeitpunkt war es angebracht, einen alternativen Browser einzusetzen.

Der Wahn, seine Meinung anderen aufzwingen zu müssen

Aber immer noch, fast vier Jahre nach der Veröffentlichung, kämpfen Anhänger des freien Browsers Firefox um dessen Verbreitung. Ein Ähnliches Verhalten hat man Microsoft 1995/6 vorgeworfen. Aber jetzt ganz von vorn:

Und wenn du das nicht machst, bisst du dumm und kriegst nichts

Auf manchen Websites werden die Benutzer von Internet Explorer oder anderen Browsern, die nicht Firefox sind, in Grundschülermanier an ihr Vergehen erinnert:

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Das war ja noch harmlos. Zu dumm nur, dass diese Website Flock und Netscape für Firefox hält und den Benutzer nicht anmotzt. Ziel verfehlt.

Etwas rabiater geht der Webmaster einer anderen Website vor:

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Menschen die heutzutage noch den Internet Explorer benutzen, wissen entweder nicht, in welche Gefahr sie sich dadurch begeben oder sie sind schlichtweg dumm.

Erstens, nach "Menschen" kommt ein Komma (schweres Vergehen, bist du dumm?) und zweitens: jemanden als "dumm" zu bezeichnen ist natürlich die sanfteste Art, jemanden zum Browserwechsel zu animieren. Manchmal wundert man sich, was Webmaster alles tun, um Leute dazu zu bringen, auf diese silbernen Google-Adwords-Banner zu klicken, die dem Webmaster immerhin bis zu einen Dollar Werbeeinnahmen bringen. Dafür würde man natürlich seine Besucher beleidigen, oder? Viele Links zu solchen Seiten sind oft in gut besuchten Foren zu finden, wo einzelne Themen nach einem Tag schon mal 60 Zugriffe haben können. Die gute Verbreitung und die vielen Klicks auf einen Adwords-Button sind gesichert.

Eine nicht ganz so beleidigende Art, Websitebesucher zum Browserwechsel zu bewegen, haben die Betreiber einer Website für ICQ-Add-Ons gefunden: Downloads gibt’s nur für Firefox-User. Alle anderen, auch die Benutzer von Opera oder Safri (und natürlich diejenigen mit Internet Explorer) werden ausgegrenzt. Das Ironische an diesem Beispiel ist, dass die Website kleine Programme für ICQ anbietet, das voll und ganz auf Internet Explorer basiert. Dumm gelaufen.

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Übrigens: Für Firefox, Opera und Internet Explorer gibt es ein nette Plug-Ins, die es dem Benutzer recht einfach erlauben, den Browser nach außen hin als einen anderen zu tarnen. So würden diese Websites Firefox nicht mehr erkennen.

Sie schreien nach Einhaltung von Standards

Seit Internet Explorer 7 haben Begründer von Kampagnen á la "Internet Explorer ist unsicher" nichts mehr, worüber sie sich aufregen können. Also bleibt ihnen derzeit nur noch ein Grund, um Firefox an den Mann zu bringen: Firefox unterstütze Webstandards und die soeben Besuchte Website (die laut Validator des W3C über 100 Fehler aufweist) würde darin viel besser aussehen und funktioniere korrekt. Das wäre sehr schlecht geplant, da doch Schätzungen zufolge "nur" 29% der Surfer Firefox benutzen. "Optimiert für Firefox" sollte kein Ziel eines Webdesigners sein.

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Nochmal zu den Standards: Erstellen Sie ein HTML-Dokument mit dem Inhalt

<marquee>Lauftext</marquee>

und öffnen Sie es mit Firefox. Der Text wird sich bewegen. Dahin ist die Einhaltung von Standards bei Firefox: Marquee ist eine Erfindung von Microsoft, die ursprünglich in Internet Explorer implementiert wurde. Weitere nicht-standardisierte Erfindungen, die zeitweise nur in den Browsern ihrer Erfinder umgesetzt wurden, sind unter anderem: Favicons, Multicol, Spacer, Blink und die Verknüpfung mit RSS-Feeds.

Warum so viele mitmachen

Die meisten Firefox-Verfechter wollen niemals einen großen Konzern aus Redmond unterstützen und verlinken über Adwords-Banner oder -Buttons zu den Downloadsites der größten Suchmaschinenbetreibers der Welt. Nein, sie wollen mit ihren Adwords-Kampagnen nichts verdienen, sie wollen nur verhindern, dass ein Software-Riese über das Internet bestimmt. (Nochmal über die letzten Sätze nachdenken.) Wie bereits erwähnt, für eine Downloadempfehlung mittels Adwords springen für den Seitenbetreiber bis zu 1 Dollar raus. Google selbst verteilt Firefox mit der Google-Toolbar, Firefox mit Google als Startseite gehören seit der Linux-Musterlösung an vielen Bildungseinrichtungen in Baden Württemberg zur Standardeinstellung an den dort vorhandenen Computern.

Weitergesponnen

Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrem Auto an die Tankstelle, weil die Nadel der Tankfüllanzeige wieder unten hängt. Nur leider hat der Hersteller Ihres Autos die Tanköffnung so gestaltet, dass Sie nur noch den Tankstutzen an der gelb-roten Tankstelle benutzen können – solange Sie nicht an dieser Tankstelle tanken, fährt Ihr Auto nicht weiter.

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen einen Computer und möchten darauf Linux installieren. Kurz nach dem Booten von der CD meldet sich aber das BIOS oder EFI und beschwert sich, dass der Computer nur mit diesem oder jenem Betriebssystem betrieben werden kann.

Oder um in der Realität zu bleiben: Stellen Sie sich vor, Sie möchten Ihren Chat-Client aufmotzen und können die gewünschten Werkzeuge nicht herunterladen, weil Ihr Computeradministrator einen anderen Browser eingerichtet hat, oder weil Javascript aus Sicherheitsgründen nicht aktiviert ist und die typischen Skripte zur Erkennung des Webbrowsers nicht funktionieren. Auf den Websites prangen rote, gelbe oder orangefarbene – aber Hauptsache, sie sind auffällig – Banner, um Sie zu strafen, dass Sie nicht den Fuchs-Browser verwenden. Würden Sie Dokumentendateien oder Tabellen mit Makros oder Skripten so erstellen, die dem Benutzer vorschreiben, womit er sie zu öffnen hat? Würden Sie Computerprogramme so gestalten, dass zur Verwendung ein Benutzerkonto mit vorgegebenem Name und Rechten erforderlich ist? Ich hoffe nicht. Um noch einmal auf das Beispiel mit dem Auto und der Tankstelle zu kommen: Hier würde man von unlauterem Wettbewerb sprechen. In Sachen Webdesign geht das auf manchen Websites schon in die richtige Richtung.

Jeder, der einen Computer verwendet, sollte selbst entscheiden dürfen, mit welchem Programm er was erledigt. Insbesondere im Bereich der Gestaltung von Websites sollten sich Webdesigner nicht an bestimmten Browsern orientieren, von denen es so viele gibt; Websites sollten nach Standards entworfen werden, damit sie in jedem Browser funktionieren. Verwenden Sie Firefox, Opera, Safari, Internet Explorer oder was auch immer Sie mögen, aber lassen Sie sich nicht durch Websites, die Internet Explorer-Benutzer beleidigen oder sie von Downloads ausgrenzen, und sei die Seite auch nur von einem roten hässlichen Banner geziert, der Sie durchgehend an Ihren Browser erinnert, abschrecken. Verwenden Sie den Browser, der Ihre Bedürfnisse erfüllt und den Sie gut bedienen können.

Eine Frage besteht aber immer noch: Warum reden hier so viele von "FireFox" selbst auf der Mozilla-Website wird der Browser "Firefox" genannt, aber niemals "FireFox". Das muss wieder irgendeine dumm nachgeahmte Erscheinung sein…

Dazu auch: Any Browser-Projektseite


Internet Explorer 8 Beta 1 für Webentwickler – Jetzt nach Standards arbeiten

Kurz vor der bevorstehenden Veröffentlichung des Internet Explorer-Rivalen Firefox arbeitet Microsoft inzwischen verstärkt am IE7-Nachfolger Internet Explorer 8. IE8 soll der erste Microsoft-Browser mit vollständiger Unterstützung für Webstandards werden.

Internet Explorer 8…

Aufgrund der Implementierung einer Engine, die vorrangig auf die Interpretation von gültigem Code in HTML 4.1, 5; XHTML 1, 1.1 und CSS 2.1 ausgelegt wurde, sollten Webentwickler jetzt schon prüfen, ob ihre Website standardkonform aufgebaut wurde und im kommenden Internet Explorer 8 korrekt angezeigt werden wird. HTML, die Auszeichungssprache, die über Jahre ähnlich wie die deutsche Sprache gequält wurde, hat sich zumindest in den Internet Explorer-Vorgängern einer großen Fehlertoleranz erfreut. Nicht zuletzt zeichnete sich das Microsoft-Programm dadurch aus, dass es erweiterte HTML-Befehle interpretieren konnte, die vom W3C so nie festgelegt worden waren. Mit dem Aufkommen des Mozilla-Browsers „Firefox“ wurden die Kritiken, Internet Explorer unterstütze keine Standards, immer lauter. Das tut er schon, nur unterstützt er, je nach Ansicht leider viel mehr als das, was als Standard festgelegt wurde – viele Websites wurden also für einen Browser entwickelt, der zu nahezu 90% verbreitet war. Dementsprechend sahen die Websites aus, wenn man sie in einem anderen Browser ansehen wollte.

… für Standards

Mit Internet Explorer 8 möchte sich Microsoft also den geltenden Standards für die Auszeichungssprachen HTML und XHTML beugen und diese implementieren. Ein Schritt in diese Richtung ist bereits getan: Internet Explorer 8 absolviert bereits in der Betaversion erfolgreich den Acid2-Test. Ein Test, an dem selbst der Browser aller Internet Explorer-Gegner, Firefox, noch zu knabbern hat. Opera übrigens nicht. Ferner bringt Internet Explorer 8 die Unterstützung für den HTML 4.1-Nachfolger HTML 5.0 mit. Damit wird übrigens klar, dass sich XHTML noch nicht gegen HTML durchsetzen konnte und seine Frist noch um ein paar Jahre verlängert wurde. Was die Styles angeht, unterstützt der IE8 inzwischen CSS Level 2.1, in der Version 7 war selbst das Level 2 noch nicht vollständig implementiert. Darin lag auch der Grund, weshalb nicht alle Funktionen von CSS 2 von den Entwicklern genutzt wurden. Der am meisten verbreitete Browser ließ es nicht zu.

Jetzt nach Standards arbeiten

Aufgrund der Vorschau auf den kommenden Microsoft-Browser, der sich höchstwahrscheinlich wieder einmal schnell verbreiten wird, sollten sich Webdesigner jetzt schon darauf einstellen, standardkonform zu entwickeln. Viele professionelle Entwicklungsumgebungen, darunter wohlbemerkt schon seit 2003 Microsofts Visual Web Developer, unterstützen den Entwickler beim Erstellen von gültigem (X)HTML- und CSS-Code.

Wer weiterhin nicht auf das Coden mit Notepad, Phase oder andern textbasierten Editoren verzichten will, muss jetzt nicht umsteigen – Validatoren wie Validome oder der hier verlinkte HTML-Validator des W3C erlauben es ebenso, Webdokumente auf eine gültige Auszeichnungssprache zu überprüfen.

Websites, die diese Prüfungen erfolgreich absolvieren, können mit großer Sicherheit in allen modernen Browsern angezeigt werden. Man beachte beispielsweise die Browser, mit denen diese Website geprüft wurde: Internet Explorer, Firefox, Opera, Safari, Konqueror, Netscape, um mal die am meisten verbreiteten Webbrowser zu nennen. Es macht also Sinn, nach Standards zu entwickeln.

Internet Explorer 8 Beta 1 (Deutsch) für Webentwickler installieren

Ein kleiner Stein liegt dem geneigten Webentwickler möglicherweise noch im Weg: Internet Explorer 8 ist an die Sprache des Betriebssystems gebunden und wird, falls erforderlich, versuchen, ein Update nachzuinstallieren, das im Installationspaket falsch verlinkt wurde. Falls der Fall bei Ihnen eintritt, müssen Sie nur das „en“ in der Sprachangabe der Webadresse zum Download durch ein „de“ ersetzen und Sie können das deutschsprachige Update herunterladen. Installieren Sie Updates für Windows, falls erforderlich. Internet Explorer 8 kann nicht installiert werden, wenn erforderliche Updates fehlen.
Laden Sie das Installationsprogramm bei Microsoft herunter. Beachten Sie: der Downloadlink befindet sich leicht übersehbar unten auf der Seite.
Nachdem Sie Updates gegebenenfalls installiert haben, müssen Sie Windows neu starten, und dann können Sie Internet Explorer 8 installieren.


Internet Explorer 8 Beta 1 ersetzt übrigens die Version 7. Da es keine finale Version ist, die möglicherweise noch Sicherheits- oder Stabilitätsprobleme aufweisen kann, sollten Sie dieses Programm noch nicht auf produktiven Systemen einsetzen. Ich empfehle anderen Website-Bastlern und -Entwicklern, die Wert auf Kompatibilität legen, ihre Website in einer virtuellen Maschine (oder notfalls auf einem Testcomputer) mit verschiedenen Browsern (und Betaversionen dieser) zu testen.
Falls nicht gleich alles klappt, bedenken Sie: IE8 liegt derzeit in einer frühen Vorabversion vor, die auch noch Fehler enthält. Zweifeln Sie also nicht gleich, wenn Ihre Website nicht wie erwartet angezeigt wird – diese Website betrifft das auch noch.

Sehen Sie dazu: Any Browser-Projektseite