Dann eben nicht, yourfone. Leider.


Der E-Plus-Ableger yourfone.de wühlt gerade die Nachrichten und die deutsche Mobilfunkbranche auf. yourfone.de bietet nämlich die “Smartphone-Flatrate” an – das Paket umfasst eine Flatrate für die deutschen Mobilfunknetze, das deutsche Festnetz und sogar einen Datentarif. Das Ganze soll im Monat 19,90 Euro kosten. Soweit ein unschlagbares Angebot. Von meinem bisherigen Anbieter, Vodafone, bekam ich vor einiger Zeit ein vergleichbares Angebot, das sollte ca. 80 Euro im Monat kosten.


Mit einem Postwurf-Spezial erlässt yourfone.de seinen Neukunden 40 Euro – der sonst kostenpflichtige Startpaketpreis sowie der erste Monatspreis entfallen. Wer seine Rufnummer portieren möchte, bekommt sogar noch eine Gutschrift von 25 Euro (die Portierung kostet beim bisherigen Anbieter i. d. R. 20 bis 30 Euro).

Insgesamt ein faires und interessantes Angebot also. Nur einen Haken hat es für mich: Das E-Netz ist in den Bereichen, in denen ich mich aufhalte, fast nicht erreichbar. Selbst mit den relativ gut ausgebauten Netzen von Vodafone und O2 habe ich aus topografischen Gründen Schwierigkeiten.

Wer über das E-Netz aber einen guten Empfang hat und gerade einen neuen Anbieter sucht, der sollte sich das Angebot von yourfone.de aber mal anschauen.


Der Wahn um die Strahlenallergie

Vertrauen in die Wissenschaft – aber nicht in die Ergebnisse

Die Menschen da draußen vertrauen den Wissenschaftlern und den Ärzten. Ganz besonders, wenn es um die Gesundheit geht.

Umgekehrt verhalten sie sich gegenüber der Presse: der schenkt man immer weniger Vertrauen. Und wie sich Ende Juli gezeigt hat: zurecht.


Gleich mehrere “Quellen” kopierten ganz offensichtlich eine missverstandene PR-Mitteilung über das Album eines britischen Deejays, der behauptete, durch WLAN-Strahlung in seiner Gesundheit geschädigt worden zu sein: Kopfschmerzen, anhaltender Schwindel und Übelkeit, die sich mit der Verbreitung von WLAN-fähigen Geräten nur verstärkt hätten. Da die Strahlen fast allgegenwärtig sind, fiel es ihm schwer, eine Wohnung, Kneipen und Geschäfte zu finden, in denen er sich wohlfühlt.

Und jener Künstler ist mit seinem Leiden nicht allein: Angeblich leiden 2 Prozent der Bevölkerung unter einer Art WLAN-Allergie, die bei ihnen die genannten oder ähnliche Symptome hervorruft.

Da fehlt doch was

All den Behauptungen fehlt aber eine wichtige Grundlage: so etwas wie ein elektrosensitives Organ besitzt der menschliche Organismus nicht, auch als Ganzes ist der Körper nicht in der Lage, das Vorhandensein elektrischer Energie zu erfassen.

In zahlreichen Studien musste das über eine lange Zeit hinweg belegt werden. Teilnehmer waren Menschen, die von sich behaupteten, Strom, der durch ein Kabel fließt, spüren zu können.

Die Ergebnisse sahen in etwa so solide aus wie andere Tests, in denen man die Probanden bat, durch ihre Sinneswahrnehmung festzustellen, ob ein Handy oder ein WLAN-Gerät sendet oder nicht sendet: Nämlich überhaupt nicht.

Die Tests erwiesen sich letztendlich als Ratespielt und belegen als Grundlage nur eins: Elektrosensibilität existiert nicht.

Also doch 0 Prozent?

Dafür, dass immerhin zwei Prozent der Bevölkerung an einer Strahlenallergie leiden sollen – und das wären viele – fielen die Studien sehr schlecht aus. Zumindest für diejenigen, die mit der Panikmache Geld verdienen und für die, die sich am Glaube an schädliche Strahlen festhalten müssen.

Hinzu kommt, dass der Anteil der Personen, die behaupteten, elektrische Energie aufspüren zu können, weitaus kleiner als 2 Prozent ist.

Man darf also davon ausgehen, dass dieses “2-Prozent-Ergebnis” deutlich gepusht wurde, um die für die Nachrichten nötige Relevanz zu erreichen. Peinlich nur für die Redaktionen: für die Zahl gab es zuvor keine Belege. Sie wurde also, genau wie die Behauptung, eine Strahlenallergie existiere, einfach kopiert.

Einbildung und “psychische Schäden”

Wer sich eingebildet hat, besonders anfällig auf WLAN-Geräte zu reagieren, muss sich fragen: warum nicht früher? Die Frequenz der WLAN-Strahlung liegt zwischen anderen gängigen Frequenzen, mit denen wir schon viel länger zu tun haben: Mikrowellen, Handystrahlung, DECT-Telefone, Bluetooth, Rundfunk. Strahlung waren und sind wir also schon immer ausgesetzt.

Hinzu kommt das Verständnis, wie schwache elektrische (!) Funksignale die im Körper ablaufenden Energieflüsse (die rein chemischer Natur sind) beeinflussen sollen. Selbst die elektrischen Impulse, die durch die Nerven gehen, sind um ein Vielfaches stärker als das, was den Körper durchdringt, wenn man mit zwei Handys in den Taschen in einem bermudadreieck aus Rundfunk-Coder, Mobilfunkantenne und WLAN-Hotspot steht.

Fazit: Strahlung ist ungesund

… wenn man als Redakteur eine PR-Kampagne nicht versteht und darüber in Zeitungen und im Fernsehen berichtet. Die Existenz strahlungssensitiver Individuen ist nicht bewiesen worden.

Eher entspringen diese Behauptungen den Fantasien und Erklärungsversuchen von Kranken Menschen, die die oben genannten Symptome zeigen. Nicht selten sind sie psychisch labil oder sogar krank, aber das wäre jetzt anmaßend.

Persönliche Erlebnisse

Sogar ich wurde ein paarmal mit dem Thema konfrontiert, zum Beispiel als eines Tages (ich war höchstens 14) ein Vertreter der US-amerikanischen Firma “Nikken” vor der Tür stand und nach meiner Mutter verlangte, um ihr das Neueste aus der Magnetheilkunde anzudrehen: denn die Strahlen, die uns schädigen, können auch heilen. Zum Portfolio gehörten kleine Teppiche mit eingewobenen Metallfasern, die vor Erdstrahlen schützen sollten. Nach diesem Prinzip sollte sogar eine Matratze schützen, deren Preis wahrscheinlich ins Vierstellige gereicht hat.

Dann waren da noch die violetten Steine mit der schwarzen Kruste, die man auf dem Markt im Dorf kaufen konnte. Die sollte man neben den Computerbildschirm stellen, damit sie die bösen Strahlen aufsaugen und das Eindringen in den Kopf verhindern konnten. Wenn der Stein mal voll war, genügte kurzes Abwaschen unter laufendem Wasser, um ihn “strahlenfrei” zu machen.

Ein trotz seiner ausschließlich schriftlichen Form als extrem erlebter Fall waren die Behauptungen einer neuen Besucherin in einem Computerforum, die ihren ersten Beitrag so eröffnete:

“ich habe ein Poblem mit Wlan.
Kopfschmerzen – Schlafstörungen…
Hat jemand die gleichen oder ähnliche gesundheitlichen Probleme durch Wlan (Mobilfunk)etc.? 
[————————] und Wlan macht mich fertig.”

Die Verfasserin versuchte ihren Verdacht durch ärztliche Atteste zu untermauern:

“na ja – mein körper + die ärztliche seite sagen mir da ganz andere sachen.
die frequenz, die bei mobilfunk (wlan…) eingesetzt wird ist halt ne ganz andere als die sonnenstrahlen oder radiofunk… und mit anderen strahlen und frequenzen nicht zu vergleichen.”

Dem Thema im Forum war zu entnehmen, dass die Frau unter einer Erkrankung der Nerven leidet. Die vermeintlichen “WLAN-Probleme” waren wahrscheinlich nur eine “gemachte Ursache”, um sich daran festzuhalten.

Ähnlich wie sie erklären sich viele “Elektrosensitive” das Auftreten von Schmerzen (besonders Kopfschmerzen), Schwindel oder Schlafstörungen. Weil ihnen die Erklärungen fehlen, ermitteln sie eigenständig oder mit Hilfe die zunehmende Technisierung als Ursache. Unterstützer dieser Annahmen sind nicht selten Esoteriker, die die Panikmache für eigene Interessen nutzen. Im Internet gibt es ein paar Websites zu dem Thema, viele davon sind übrigens Satire – auch wenn man die nicht gleich zu erkennen vermag. Und Satire ist nie unbegründet.