Wirkungsloser Zensurapparat


Familienministerin von der Leyen kämpft um ein großes Stoppschild, das beim Besuch von Websites, die Kinderpornographie enthält, gezeigt werden soll. Anfragen an solche Server geschehen nach Gutdünken der Ministerin ausschließlich über DNS – und genau hier setzt die Zensur an:

Der DNS-Server übersetzt normalerweise die Wortadresse in die Zahlenadresse (IP). Ruft man nun die IP manuell auf, etwa durch die Eingabe in die Adressleiste des Browsers, geht keine Anfrage an den DNS-Server und die Zensurmaschinerie kann nicht eingreifen.

Was von der Leyen gerne sehen möchte, lässt sich leicht umgehen, wie diese Anleitung zeigt:


Die laute Kritik am Stoppschild rührt nicht übrigens daher, dass der Zugang zu illegalen Seiten erschwert wird, sondern dass das Verfahren ausgenutzt werden kann und andere unliebsame Websites leicht gesperrt werden können.

Die Liste gesperrter Websites wird vom Bundeskriminalamt verwaltet – einen fehlerhaften Eintrag, der etwa dem Ruf der eigenen Website schadet und sie unaufrufbar macht, kann nur mit dem Aufwand einer Klage wieder entfernt werden.


Kontrollsystem gegen Computerspiele-Konsum

In China gibt es ein staatliches Kontrollsystem, das erreichen soll, dass Jugendliche weniger Zeit mit dem Spielen von Online-Spielen verbringen und so einer Sucht vorbeugen. Die Zahl der Spieler ist seit dem vergangenen Jahr um sieben Prozent gesunken, schreibt der Deutsche Blog. Die tägliche Spieldauer ist auf drei Stunden begrenzt, bevor Punkteabzüge drohen.

“Wenn der jugendliche Spieler die maximale Spielzeit überschreitet, droht ihm die Halbierung seiner erspielten Punkte. Wer länger als fünf Stunden pro Tag spielt, verliert alle Punkte.”

Um in China online spielen zu dürfen, muss man sich mit seinem Name und der Personalausweisnummer registrieren lassen.


Als Basis für die umgesetzte Spiele-Kontrolle könnte Chinas “Great Firewall” dienen, die es den Chinesen zum Beispiel gar nicht ermöglicht, der Regierung unliebsame Inhalte aufzurufen. China hat eines der am besten ausgebauten Zensursysteme für das Internet, das in letzter Zeit aber zunehmend zu bröckeln droht.

Auch in Deutschland umsetzbar?

Theoretisch wäre ein vergleichbares System zur Überwachung der Online-Spielzeit auch in Deutschland leicht über zentralisierte Anmeldesysteme umsetzbar.Die von Valve genutzte Steam-Plattform stellt das am meisten genutzte Anmeldesystem für Online-Spiele dar. Gemeinsam mit den Anmeldedaten verwaltet sie auch die gekauften Spiele und dazugehörigen Lizenzen. Um Systeme wie Steam zu einem Zensurapparat umzufunktionieren, bräuchte man nur noch eine Nutzerverifikation, die in China derzeit über die Personalausweisnummer umgesetzt wird.

Dass ein ähnliches System für und in Deutschland vorgeschlagen wird, ist denkbar. Unsere Bundesregierung hat bereits die Internet Service Provider zu funktionierenden Sammelstellen für die Vorratsdatenspeicherung umfunktioniert, warum auch nicht populäre Plattformen wie Steam?