Sprich mit mir, liebe Bahn


Liebe Bahn,

seit vier Jahren fahre ich nun mit dir, fast immer läuft es ohne Komplikationen und die paar “Verzögerungen im Betriebsablauf” und Ausfälle kann ich dir verzeihen, ich halte dir sogar zugute, dass du die Tarife für meine Monatskarten gesenkt hast und auf meiner Strecke von über 120 Kilometern mit zweifachem Umsteigen fast immer alles glatt läuft.

Aber heute, heute hätte ich mich über eine Meldung deinerseits gefreut. Aus dem zweifachen Tuten aus dem Lautsprecher am Bahnsteig konnte ich leider nicht schließen, dass mein Zug einen Baum überfahren hatte und ich wusste auch nicht, dass jener Zug ausfallen würde.


Heute morgen warst du wohl nicht sehr kommunikationsfreudig. Deine  ICE (GPL)Angestellte erklärte mir in schwerem Allemannisch, was los war und dass ich auf den Bummelzug ausweichen solle. Gut, ich musste nur einen Prüfungstermin einhalten und die 25 Minuten Wartezeit ohne Auskunft hätte ich sinnvoller investieren können. Etwa eineinhalb Stunden später kam ich am “Umsteigebahnhof” Basel an und war in Anbetracht des Zeitdrucks gezwungen, mit eine zusätzliche Karte zu kaufen, damit ich statt dem RE den EC nehmen konnte. Es funktionierte. Trotz des Baumes war ich nur 15 Minuten aber auch 16 Euro später am Ziel als geplant und kam sogar noch pünktlich zu meinem Termin. Zwei Bahnhöfe zum Umsteigen bieten wohl doch noch genug Zeitpuffer, um Pannen fast zum Guten zu wenden. Leider kostet es dann extra.

Liebe Bahn, eine kurze Durchsage am Morgen hätte das Problem schneller klären können. Falls es sie gab, sei dir gesagt: Die Lautsprecheranlage in Tiengen ist wohl defekt.

Gute Nacht. Wir sehen uns morgen wieder.


Die Bahn gibt auf

Möglicherweise ist es auf den großen öffentlichen Druck zurückzuführen, mit dem Markus Beckendahl, viele andere Blogger und die Nachrichtenportale auf die Bahn gewirkt haben.

Seit gestern ist bekannt, dass die Bahn keine weiteren Juristischen Schritte gegen Beckendahl vornehmen wird – die Vorwürfe der Bahn werden als überzogen gehandelt und widersprächen der freien Meinungsäußerung.


Bahnchef Hartmut Mehdorn hat ebenfalls gestern eine Erklärung abgegeben, in der bedauert, “dass es in der Vergangenheit bei den Mitarbeiterüberprüfungen zu Verstößen gekommen ist und kein Gremium der Arbeitnehmerinteressenvertretung informiert war” und sich bei den Mitarbeitern entschuldigt.

Rücktrittsforderungen an Mehdorn

Mit seiner Entschuldigung geht Mehdorn der Aufforderung der Gewerkschaften nach, sich zu entschuldigen. Transnet und GBDA verlangten laut der Süddeutschen Zeitung eine “unmissverständliche Entschuldigung für die Spähaktionen in der Belegschaft”. Zuvor hatte die Bundesregierung verlauten lassen, Mehdorn wenigstens bis zu den nächsten Bundestagswahlen im Amt belassen zu wollen.