Guerilla-Marketing im Hörsaal


Der Mobilfunknetzbetreiber O2 wirbt mit Handymonstern und Monster-Fängern, die die Hörsäle mindestens dreier deutscher Universitäten gestürmt und Vorlesungen gestört haben sollen.

Seit einigen Wochen wirbt O2 damit, Monstertarife bezwingen zu können: Handys mit Plüschmonster-Ummantelung verwandeln sich nach Einlegen der O2-Sim-Karte in normale Mobiltelefone. Doch damit nicht genug.

Beauftragt von der United Ambient Media AG stürmten in Köln als “Handymonster” verkleidete Personen die Hörsäle; ihnen folgten Monsterfänger in T-Shirts mit O2-Aufdruck. Sie sollen angetäuscht haben, einen Dozenten einfangen zu wollen.

Andere von ihnen waren in Magdeburg und München mit Badehosen bekleidet und trugen Surfbretter, die den Surfstick des Anbieters bekannt machen sollten. In Magdeburg wurden sie der Bibliothek verwiesen.

Die Aktion, die von den Universitäten nicht genehmigt worden war, wird scharf verurteilt. Vorlesungen wurden vorsätzlich gestört, um Produkte anzupreisen. Bisher war von der Agentur über eine Mitarbeiterin nur in Erfahrung zu bringen, dass “Vorlesungen ja meistens nicht so spannend” seien und sich vermutlich niemand durch die Aktionen gestört haben dürfte. (Süddeutsche)

Die Aktionen sollen auch gefilmt worden sein, nur ohne Genehmigung.


Wegen der Vergehen hat die Agentur unter Umständen mit einer Anzeige zu rechnen.

Die Website monsterkommando.o2online.de ist derzeit nicht erreichbar. Auch die Facebook-Seite ist nicht mehr zu sehen.

Eine ähnliche peinliche Werbeaktion hat o2 bereits vor einem Monat in Berlin durchführen lassen:


AOL prüft möglichen Zusammenschluss mit Yahoo

Der nach der Trennung von Time Warner zum Medienanbieter umgebaute ehemalige Internet-Zugangsanbieter AOL lässt derzeit Optionen prüfen, die dem Unternehmen zu einem schnelleren Wachstum verhelfen können.

Dazu hat der Konzern mehrere Finanzexperten beauftragt, einen möglichen Zusammenschluss mit dem Internet-Riesen Yahoo zu prüfen.

Erste Gespräche zu diesem Zusammenschluss soll es bereits vor drei Jahren gegeben haben. Jetzt werden Investoren wieder lauter und wünschen sich sogar den AOL-CEO Tim Armstrong an die Spitze von “AOL Yahoo”.


Yahoo und AOL sind beides typische Beispiele für Internet-Unternehmen der 90er Jahre. Beide haben ein ähnliches Geschäftsfeld. Heute leben sie davon, Inhalt zu produzieren. Auf zahlreichen ihrer Nachrichtenseiten blenden sie ihre Werbung ein, beide Unternehmen bieten ihren Kunden E-Mail-, Instant-Messaging-Kartendienste und Suchmaschinen.

Im Moment sind AOL und Yahoo Konkurrenten. Nach einem Zusammenschluss könnten sie mit einer nahezu unveränderten Produktpalette viel mehr Nutzer erreichen und Erfahrungen zusammentragen. Der Markt ist gut besetzt: ähnliche Angebote gibt es ja auch von Google und Microsoft, gegen die man sich behaupten muss.

Die Kombination

Es gibt Dienste, da ist eine Kombination unnötig; dagegen gibt es solche, bei denen sie sinnvoll wäre. Beispiel Nachrichtenseiten. Inhaltlich wird sich da nicht viel ändern. Man kann zwar dieselben Inhalte unter zwei Namen anbieten, aber bedeutend höher wird der Aufwand dadurch nicht. AOL Mail hat in der Vergangenheit viele Nutzer an die Konkurrenz, insbesondere Google Mail und Microsoft (Live) verloren. Yahoo Mail steht zwar noch da, aber auch diesem Dienst bröckeln seine Nutzer mit. Ein Zusammenschluss der beiden Maildienste würde “AOL Yahoo” zahlreiche mailende Nutzer verschaffen, die regelmäßig die Websites aufsuchen würden und Interesse an redaktionellen Inhalten (und Werbung) finden könnten. Der AOL-eigene Mail-Dienst wird sich vermutlich nicht mehr lange halten können. Ähnliches gilt übrigens auch für die Instant-Messaging-Dienste der beiden Unternehmen.

Die Sache mit der Werbung

Ein großes Werbenetzwerk erreicht viele Menschen. Das hat Google so erfolgreich gemacht. Durch die Kombination ihrer Werbedienste haben AOL und Yahoo eine Chance, sich in diesem Markt zu festigen und mehr Kunden zu gewinnen. Denn: die Anzahl der Impressionen würde nach einem Zusammenschluss ansteigen.

Und der Wert?

Das Unternehmen AOL hat derzeit einen Wert von geschätzten 2,4 Milliarden US-Dollar; Yahoo einen von 16 Milliarden. Man geht davon aus, dass Yahoo AOL für höchstens 3,5 Milliarden US-Dollar übernehmen kann. (Man sagt sich sogar, Yahoo wüsste nicht, wohin mit dem Geld.)