Wie die Presse auf den Postillon hereinfiel – oder der Eindruck erzeugt wurde


Es ist wieder passiert. Im großen Stil. So scheint es jedenfalls. Am ersten Januar (laut Datierung) veröffentlichte Autor Sichermann einen überschaubaren Artikel über den ehemaligen Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, er würde als Lobbyist in den Vorstand der deutschen Bahn wechseln. Der Satz “Ein Vorstandsposten bei der Bahn wird mit 1,3 bis 1,8 Millionen Euro im Jahr vergütet.” sorgte für Diskussionsstoff, genau das wollen die Menschen hören und lesen. Und das konnten sie. Bereits einen Tag später berichteten solch namhafte Nachrichtenseiten wie Der Spiegel, Die Süddeutsche und neben diversen weiteren sogar tagesschau.de. Auf zuletzt genannter Website weckte dann noch der Satz

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. Januar 2014 um 20:00 [23:15] Uhr.

meine Neugier, und siehe da, in der Mediathek kann man sich davon überzeugen, gleich doppelt. Kurz nach 0 Uhr berichtete auch RTL im Nachtjournal.

Nur vom Postillon will keiner etwas wissen. In einer öffentlich gemachten Zuschrift an den Autor heißt es


haben Sie in ihrer „Exklusiv“-Meldung zu Pofalla nicht vielleicht einfach das Datum einen Tag zurückdatiert?

Blogsysteme erlauben es, Beiträge unter anderem Datum zu veröffentlichen. Wird für einen Beitrag ein Datum aus der Vergangenheit eingestellt, taucht dieser in der so erzwungenen zeitlichen Reihenfolge auf.

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Wann der Artikel tatsächlich veröffentlicht worden ist, ist im Moment schwer nachvollziehbar. Die vom Postillon intensiv genutzten sozialen Medien Facebook und Twitter lassen die Annahme zu, dass die dort veröffentlichten Beiträge automatisch gestreut werden. Das lässt wiederum vermuten, dass neue Beiträge automatisch dort veröffentlicht werden, und zwar ohne Verzögerung. Am 1. Januar wurden dort aber nur andere Beiträge gestreut, vom Pofalla-Artikel war erstmals am 2. Januar etwas zu lesen. Die Tweets der Nachrichtenseiten tauchen sogar vor der erstmaligen Erwähnung durch den Postillon auf, so setzte die Berliner Zeitung drei Stunden früher einen Tweet mit Verweis auf ihren Artikel ab.

Unter dem Artikel bei der Süddeutschen schrieb der Moderator Daniel Wüllner:image Auffällig ist das Wort “Exklusiv” in Anführungszeichen (Vergleich oben), vor allem aber der gleiche Vorwurf, Sichermann habe den Beitrag vordatiert.

Die erste Erwähnung des Pofalla-Artikels des Postillons in den sozialen Netzwerken des Postillons am 2. Januar um ca. 17 Uhr. Wurde gar die letzte Zeile im Artikel, die da lautet

Update Donnerstag, 17:01 Uhr: Inzwischen berichten auch zahlreiche andere Medien.

gleich mit der ersten Veröffentlichung des Artikels mit veröffentlicht? Dann hätte der Postillon seine Leser gelinkt und wird mit seiner Rückwärtsente weitaus länger von sich zu reden machen als durch einen einmaligen Vorfall. Das hätte vor allem einen Effekt: man weiß nun wirklich nicht mehr, was man dem Postillon glauben darf.


Mammut-Karikatur erzürnt Paläontologen

Eine kürzlich aufgetauchte Karikatur eines vor ca. 6000 Jahren verstorbenen Mammuts sorgt in Oryktologenkreisen für Entsetzen. Das Abbild des edlen Mastodonten, der bis heute als größtes Landsäugetier gilt, sei realitätsfremd und herabwertend auf einen deformierten Rüssel und Beinbehaarung reduziert worden.

Paläontologen in aller Welt demonstrieren seit der Entdeckung der Spottzeichnung gegen deren Aussage. Auch die angezeichneten Schnurrhaare sorgten für Furore. Eine Vermischung von Elephantidae und Aeluroidea sei absolut ersponnen und überhaupt biologischer Schwachsinn.


Mammut-Karikatur

Deformierter Rüssel, Beinbehaarung, Schnurrhaare. Diese Karikatur eines Mamuts wurde zum Stein des Anstoßes für einen aktuellen Streit unter Paläontologen.

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