Für über 500 Euro ins Branchenverzeichnis


Die „Gewerbeauskunft Zentrale“ hat mir Post geschickt. Schicke ich meine “gebührenfreie” Antwort per Fax zurück, soll es € 569,06 kosten. Pro Jahr. Man hat schließlich einen Brancheneintrag zu pflegen.


Zugeschickt wurde ein kleines Formular, in dem bereits die Adresse steht. Sogar der Name fehlt (die Post war auch verunsichert). Lediglich die Internet-Adresse auf dem Breifkopf verriet, wo die Sendung hin sollte. Datenbeschaffung der Königsliga also.

Unter dem Formular folgt ein mit “muß [sic!] durch Sie ergänzt werden” überschriebener Bereich, in den eingetragen werden soll, welcher Branche das Unternehmen angehört, welche Mailadresse verwendet wird und “Internet” soll auch eingetragen werden.


Anzukreuzen ist außerdem, ob der Betrieb umsatzsteuerbefreit ist oder ob er aufgelöst (!) wurde.

Auszug "Leistungsübersicht" aus dem Brief von der Auskunft.

Sogar von einer „Homepage“ ist noch die Rede. Außerdem stelle ich hier akute Dativprobleme fest.

Gegen die Gebühr in Höhe von € 569,06 pro Jahr gibt’s dann einen Basiseintrag mit folgenden Features:

Name, Adresse, Telefon-Fax, Informationstext, Mailadresse. Außerdem kann man einen Link auf die “Homepage” bekommen.

Kein Unbekannter

Die “Gewerbeauskunft Zentrale” hat sich im Netz einen Namen gemacht – keinen guten. Sucht man diesen Anbieter mit Google, stechen die vielen Ergebnisse aus Anwaltsblogs und ähnlichen Websites ins Auge.

Der Zentrale wird unterstellt, durch Täuschung ans Ziel zu kommen: Geschäftsleute füllen das Formular voreilig aus und schicken es ein. Wer glaubt, einen Branchenbucheintrag zu vervollständigen, schickt in Wirklichkeit einen Auftrag ein. Bereits kurz danach soll die Leistung in Rechnung gestellt werden. Wer nicht zahlt, bekommt Mahnungen, die mit Urteilen, in denen die Zentrale erfolgreich war, untermauert werden. Es gibt aber genügend Beispielurteile, in denen sie unterlag.

Alternativen

Die Dienstleistungen der “Gewerbeauskunft Zentrale” sind nichts besonderes. Kostenlose oder viel günstigere Branchenbucheinträge bekommen Gewerbetreibende auch auf zahllosen anderen Plattformen zu faireren Preisen. Die versprochenen Features wie ein Routenplaner und Verlinkung auf die Website können andere Plattformen ebenso erfüllen.


Ein Gedanke zu „Für über 500 Euro ins Branchenverzeichnis

  1. Habe heute selbiges Schreiben erhalten und auf Grund der sehr behördlichen Aufmachung begonnen das Formular auszufüllen. Erst als ich im Kleingedruckten die zu zahlende Summe von 569,06 Euro entdeckte, googelte ich die Gewerbeauskunft-Zentrale und wurde auf die betrügerische Masche aufmerksam. Dass man als Unternehmer (umso mehr wenn man im Internethandel tätig ist) ständig irgendwelche obskuren Mails mit Zahlungsaufforderungen bekommt, ist nicht neues, dass diese jedoch nun auch in einem ordentlichen Gewand daherkommen ist neu und beängstigend.
    Nepper, Schlepper, Bauernfänger… Eduard Zimmermann, wir vermissen dich!

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