Der Tag danach: Wie der Yahoo-Microsoft-Deal angenommen wurde


Das hat die Medien bewegt, nicht nur im Internet. Genau wie bei Start von Microsofts Suchmaschine Bing war das Thema wichtig genug, um von Nachrichtensendungen und Zeitungen aufgegriffen zu werden.

Lange hat Microsoft versucht, den geschwächten Yahoo-Konzern zu übernehmen, der Mitgründer und damalige Chef Jerry Yang lehnte ab und musste gehen. Als Carol Bartz dessen Posten übernahm, hatte Microsoft schon längst begonnen, Suchmaschinenexperten von Yahoo zu übernehmen, und zwar einen nach dem anderen.

Zwischendurch gab es wieder Gerüchte um eine Übernahme von Yahoo durch Microsoft, Bartz war zur Zusammenarbeit bereit und kurz darauf wieder von dieser Meinung ab. Und dann kam Bing, Microsofts neue Suchmaschine, deren Erfolg man nicht abstreiten kann. Bartz gestand ein, dass Bing ein tolles Produkt sei – wahrscheinlich mit Blick auf eine Zusammenarbeit.

Bartz und Ballmer unter schreiben den Vertrag Carol Bartz und Steve Ballmer unterzeichnen den Vertrag, der 10 Jahre gelten soll. (Bild: CC 2.0, Yodel Anecdotal)

Und jene Zusammenarbeit wurde gestern besiegelt, nachdem schon vorletzte Woche jemand bei All Things Digital geplappert hat. Was kam, war zu erwarten: Microsoft soll den Yahoo-Kunden künftig Suchergebnisse aus Bing liefern, während Yahoo sich auf dem Bereich der Internetwerbung etablieren kann. Der finanziell angeschlagene alte Internetkonzern muss keine Belastung mehr durch den Betrieb einer (ohnehin schwachen) Suchmaschine tragen und kann sich voll und ganz auf ein immer wichtiger werdendes Geschäft konzentrieren. Microsoft prognostiziert der Online-Werbung ein Wachstumspotenzial von 50 Prozent.

Die Ergebnisse

Primäres Ziel des Vertragsschlusses war sicherlich der Aufbau einer Suchmaschine, die es mit Google aufnehmen kann. Zwar hatte Bing einen Blitzstart hingelegt, gegen den alten Hasen Google hätte die Suchmaschine aber keine Chance gehabt. Experten räumen Bing selbst nach dem Deal höchstens dreißig Prozent Marktanteil (Suchmaschinen) ein.

Hier dürften beide Unternehmen Gewinner sein: Microsoft kann Google die Stirn bieten und Yahoo muss keine eigene Suchmaschine mehr unterhalten.

Yahoo darf seine Stärken bei der Werbung ausspielen. In den USA sind etwa 30 Prozent aller Online-Inserate bei Yahoo geschaltet, in der EU höchstens 7. Für den Dienst besteht Ausbaupotenzial: zunächst soll er allerdings nur mit Premium-Kunden (insbesondere von Microsoft Advertising) Gewinne machen. Die übrigen Inserate werden weiterhin von Microsofts AdCenter verwaltet und sind für Yahoo damit irrelevant.

Die Kritiker…

Entgegen all der (für Yahoo überlebensnotwendigen Freude?) war der gestern bei Silicon Alley Insider veröffentlichte Artikel ein Schlag ins Gesicht. Als “logistischer Alptraum” wurde der Deal bezeichnet, Yahoo würde damit kaum Gewinne machen und Microsoft wäre der echte Gewinner. Konkurrent Google aber ebenfalls: während Microsoft und Yahoo ihre Zusammenarbeit erst einmal planen und koordinieren müssen, kann Google die Zeit nutzen, um sein Angebot weiter auszubauen und der neuen Konkurrenz mit neuen Funktionen sogar zuvor kommen.

Zusammen hätten die beiden keine wesentlich größere Chance im Kampf gegen Google um die Marktherrschaft. Microsoft und Yahoo belegen derzeit feste Marktanteile im Suchmaschinengeschäft und werden dies auch nach Vertragsschluss tun – der Anteil steigt dann zwar schlagartig auf etwas mehr als 14 Prozent, ist allerdings noch keine ernsthafte Bedrohung für Google: den dessen Marktanteil bleibt durch den Zusammenschluss zunächst unberührt.

Bleibt für Aktionäre und Gegenspieler die Hoffnung, dass Yahoo und Microsoft ihre Kräfte “vereinen” und von ihrem Wissen gegenseitig profitieren können.

… und warum sich Google nicht sorgen muss

Man sollte jetzt meinen, dass Google einen neuen Konkurrenten bekommen hat, der plötzlich einen enormen Marktanteil hat: Wer das glaubt, scheint sich aber nicht im Klaren darüber zu sein, dass zunächst lediglich zwei Suchmaschinen zusammengeschlossen werden. Deren Anteile ergeben zusammen zwar einen größeren, verursachen aber noch lange nicht, dass Google nun schwächer wird.


Bei Business Insider will man sogar festgestellt haben, dass Google kontinuierlich Anteile gewinnt, während Microsoft und Yahoo (bereits zusammengefasst) verlieren. Ursache dürfte der starke Rückgang bei der Nachfrage an Yahoos Angebot sein.

Was Suchmaschinen angeht, hat Google sowieso einen für Internetunternehmen wichtigen Vorteil: es ist bekannt. Für die meisten ist Google nur das Tor ins Internet, das sich mit Suchbegriffen öffnen lässt – es wird jedes Mal benutzt, während Bing vielleicht oft nur dank vorgeschlagener Einrichtung in Internet Explorer und Yahoo über Toolbars aufgerufen wird. Aber das sind nur Spekulationen. Sicher ist aber: die meisten Anwender sind sich nicht im Klaren darüber, welches Unternehmen hinter ihrer Startseite (im Browser) steckt und wollen es auch gar nicht so genau wissen. Hier können Microsoft und Yahoo aber ansetzen: mit gezielter Werbung, und zwar nicht nur im Internet.

Mittwoch: mittelmäßige Begeisterung an der Börse

An der Börse blieb kaum noch Zeit, um auf den Deal zu reagieren. Gewinner an diesem Tag sowie heute waren die Microsoft-Aktionäre; die Aktie stieg um über 1 Prozent, während die von Yahoo gestern 11 und heute über 4,5 Prozent verlor. Der anvisierte Konkurrent Google geriet ebenfalls kurzzeitig außer Acht und verlor, holte aber wieder gut imageauf. Heute stieg dessen Kurs um fast 2,9 Prozent.

(Bild: NSDAQ.com, 30. Juli)


 

Keine Angst vor den Kartellämtern

Die Zusammenarbeit ist von den Kartellämtern in den USA und der EU noch nicht abgesegnet. Auch der angegriffene Google-Konzern ließ noch nichts dazu bekanntgeben. Möglicherweise wartet man hier auf weitere Informationen über den Vertrag, bevor man – wenn überhaupt – Beschwerde einlegt. Beobachter rechnen aber nicht damit: es hat noch keinen Fall gegeben, in dem ein Unternehmen mit Vormachtstellung Konkurrenten torpedieren ließ. Google hat derzeit einen Marktanteil von 78 Prozent sicher. Microsoft hingegen rechnet mit einer Beschwerde von Google.

Die Kartellwächter sollten auch bedenken, dass der Deal der Wirtschaft derzeit keinen Schaden zufügen kann, eher im Gegenteil: solange Yahoo entlastet wird, Microsoft gewinnt und Google ernsthaften Wettbewerb befürchten muss, kann das der Wirtschaft und den Nutzern der Endprodukte nur zugute kommen.


Ein Gedanke zu „Der Tag danach: Wie der Yahoo-Microsoft-Deal angenommen wurde

  1. Sometimes people are layered like that. There’s something totally different underneath than what’s on the surface. But sometimes, there’s a third, even deeper level, and that one is the same as the top surface one. Like with pie.

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