Warum die Blase 2.0 nur langsam platzen wird


Geschichte wiederholt sich nicht, Wirtschaftskrisen aber schon. Alle wollen daraus gelernt haben, so wirklich hat es aber keiner.

Deswegen kopieren seit eh und jeh die Betreiber diverser “Sozialnetzwerke” einander – was bei dem einen Funktioniert, das wird es bei mir auch tun. Und so bildeten und bilden sich sich beispielsweise immer noch Kopien von YouTube, angefangen beim Suchmaschinenbetreiber, über das Parallelangebot des privaten Fernsehsenders hinweg zum E-Mail-Anbieter. Unter all diesen finden sich Plattformen, auf denen Nutzer Videos hochladen, anschauen und kommentieren können.

Was mit Videos geht, das geht auch mit klassischen Sozialnetzwerken: Was mal in den USA als Steckbrief begann und sich mit anderen verknüpfen ließ, schwappte als Verzeichnisdienst für Schüler und Studenten erfolgreich in Deutschland ein. Dann kamen noch mehr von diesen Diensten, irgendwo wollten sie etwas besonderes sein, die einen dienten als Freundenetzwerk, andere waren auf eine Region begrenzt und wieder andere dienten als Kuppelplattform.

Und der Zustand hält bis heute an.


Das Problem: Diejenigen, die auch nach fleißigen AGB-Änderungen, Einschränkungen oder Weitergabe ihrer persönlichen Angaben an ihrem auserkorenen Sozialnetzwerk festhalten, wechseln so schnell nicht in ein anderes. Sie sind eingesessen, wie man so schön sagt. Jemand hat eine E-Mail-Konto bei Web.de – und verlässt den Anbieter trotz des geringen Speicherplatzes von 12 MiB nicht – schließlich hat jeder die Adresse beispielname@web.de, man will ja keine Nachrichten verpassen oder aufwendig allen seine neue Adresse mitteilen.

Genauso ist es irgendwann bei den Sozialnetzwerken. Das eine wird eben von mehr Freunden genutzt, man hält nur hier sein Profil auf dem aktuellsten Stand und vielleicht auch den ein oder anderen kennen gelernt – wenn man in anderen Netzwerken angemeldet ist, vernachlässigt man die schon bald. Es ist also keine Seltenheit – und die Betreiber wissen das – dass sich in einem Sozialnetzwerk zahlreiche Karteileichen und Passive tummeln. Vielleicht schauen sie alle paar Monate mal rein, ob es nicht doch etwas Neues gibt – dann ziehen sie wieder ab.

Das Web 2.0 ist gesättigt von so vielen Angeboten, die im Prinzip das immer gleiche Angebot haben. Meistens ein Videodienst, ein Freundenetzwerk mit Steckbriefen oder einfach nur ein E-Mail-Anbieter – die Nutzer setzen sich irgendwann fest oder lassen sich gar nicht mehr zum Wechsel zu anderen Diensten überreden.

Das Web 2.0 bietet so viele Möglichkeiten, ist in seinem Inneren aber zu einem starren Gebilde verholzt, in dem sich nichts mehr entwickeln kann.

Nur eine frische Idee kann frischen Wind in das Web 2.0 bringen – aktuellstes und inzwischen milliardenschweres Angebot ist der Microbloggingdienst Twitter.

Sollte das Gerücht von der Sättigung an Sozialnetzwerken irgendwann auch zum letzten Betreiber oder Möchtegern-Betreiber durchgedrungen sein, und dieses Marktsegment unattraktiv werden, wird die Blase 2.0 nur langsam platzen: die eingesessenen Nutzer bleiben bei ihren favorisierten Diensten, solange diese nicht von selbst zerfallen oder von den Größeren aufgefressen werden. Schon bald werden sich neue Trends zeigen, die Nachahmung finden werden. Wirtschaftskrisen wiederholen sich.