Kein Upgrade auf Windows 7 in Europa

Microsofts Entscheidung, den Internet Explorer sowie Media Player aus Windows 7 zu entfernen, bezahlen die Kunden in Europa nun mit der Einschränkung, dass ein Upgrade von einer Vista-Installation nicht möglich ist.

Das ist zumindest seit heute morgen der bekannte Stand der Dinge. Eine Änderung am Code, die den in Vista vorhandenen Internet Explorer 7 deinstalliert, sei bis zum Release-Termin am 22. Oktober angeblich nicht mehr möglich.

Der in den Ausgaben für Europa fehlende Internet Explorer kann von einem zusätzlichen Datenträger namens “Internet Pack” nachinstalliert werden. Dieser soll auch die Live Essentials enthalten, eine Gruppe internetnaher Anwendungen.

Die fehlende Upgrade-Möglichkeit stellt viele weniger erfahrene Benutzer vor eine erhebliche Einschränkung. Um Windows 7 verwenden zu können, müssen sie das Betriebssystem neu installieren, was dank einfacher Menüführung nicht den schwierigsten Teil darstellen dürfte. Problematisch wird es, wenn die Installation nicht klappt, weil Geräte nicht erkannt werden und wenn plötzlich Daten fehlen. Zwar sichert das Installationsprogramm die alte Installation in einen “Windows.old” benannten Ordner, jedoch weiß nicht jeder, dass er darin auch seine alten Daten wiederfindet. Zudem fehlen die gewohnten Einstellungen komplett.

Wenn das bisher Bekannte stimmt, hat sich Microsoft jetzt selbst ein Bein gestellt. Zuvor hieß es noch, dass das Upgrade auf Windows 7 möglich sein soll, wenn unter Vista wenigstens das Service Pack 1 installiert ist.

Upgrade- und Downgradepläne für Windows XP und 7

Nur wenige Stunden nach der Ankündigung, die Verkaufszahlen von Windows XP kontrolliert reduzieren zu wollen, geriet Microsoft in die Kritik und wehrte sich, das Vorhaben würde die Lebenszeit des inzwischen veralteten Betriebssystem mindestens bis April 2011 verlängern.

Sechs Monate nach der Veröffentlichung von Windows 7 soltel es Computerherstellern erlaubt sein, Windows XP mit ihren Produkten zu verkaufen.

Microsoft wurde vorgeworfen, damit ein gewaltiges Durcheinander zu verursachen, da Firmen mehr Aufwand ins Upgraden ihrer PCs stecken müssen, sobald Windows XP abgelöst werden soll.

Da Windows 7 schon am 22. Oktober erscheinen soll, würde sich die sechsmonatige Frist bis April 2010 ziehen. Hersteller dürfen dann Computersysteme mit Windows XP, Vista und 7 verkaufen.

Einige Firmen, die Vista derzeit nicht einsetzen wollen, können jetzt nicht anders, als neue PCs mit XP zu laufen und später das Upgrade auf 7 durchzuführen – das ist zumindest eine Befürchtung, vor der Administratoren stehen.

Hinzu kommt, dass die Berechtigung zum Upgrade, die spezielle Lizenz, nicht automatisch Bestandteil jedes neuen PCs ist. Diese Lizenz ist erforderlich, damit die Käufer zunächst XP nutzen und später auf 7 upgraden dürfen.

Plan B

Die Alternative: Unternehmen kaufen PCs mit Lizenzen für Windows Vista Business oder Ultimate – die haben automatisch eine Upgrade-Berechtigung, um später zu Windows 7 zu wechseln.

Upgrade-Berechtigungen liegen vielen derzeit für Firmen ausgelieferten PCs bei. Sie werden dann mit einem vorinstallierten XP ausgeliefert, enthalten aber auch Lizenzen und Installationsdatenträger mit Vista.

Kurz nachdem Microsofts alter Plan in die Kritik geriet, ruderte der Softwareriese zurück und bestätigte die neue Upgrade-Methode.

Käufer von Windows 7 Professional (entspricht Business) und Ultimate können innerhalb von 18 Monaten ab der Veröffentlichung von Windows 7 oder bis zum Erscheinen des ersten Service Packs für 7 auf XP downgraden.

Der geänderte Plan kommt gut an und beweist, “dass Microsoft auf die Kunden hört”, meint ein Analyst.

Überarbeitungen sind wahrscheinlich aber noch nötig. Microsoft hält sich derzeit die Option frei, das Downgrade-Recht frühzeitig zu beenden, da dieses 18 Monate nach der Veröffentlichung aber bis zum Erscheinen des ersten Service Packs von und für Windows 7 besteht. Wenn Microsoft das Service Pack früher veröffentlicht – und die Entwickler arbeiten angeblich bereits daran, wird die Downgrade-Frist erheblich kürzer ausfallen.

Windows Vista-Pläne werden abgebrochen

Laut einem Bericht der Computerworld hat Microsoft diese Woche einige Unternehmen aufgefordert, Upgrade-Pläne für den Wechsel auf Windows Vista zu verwerfen und stattdessen auf Windows 7 zu warten. Microsoft plant die Bereitstellung des neuen Betriebssystems für den August (Lieferung an PC-Hersteller), beziehungsweise den Oktober (für Endkunden).

In einer Keynote riet auch der Senior Vice President for Windows Business, Bill Veghte, klar und deutlich dazu, lieber gleich Windows 7 zu testen und bisherige Tests mit Windows Vista aufzugeben. Eine Überraschung war es nicht, sagte schon Stephen Kleynhans Anfang der Woche etwas Ähnliches.

Wer jetzt noch in der PLanungsphase zum Wechsel auf Vista steckt, sollte lieber gleich ein Auge auf Windows 7 werfen, heißt es.

Diejenigen, die schon die ersten neuen Computer mit Windows Vista ScreenShot014im Einsatz haben, sind aber auch nicht auf dem falschen Weg: die Investitionen müssen nicht umsonst gewesen sein und dürfen fortgesetzt werden, meint Michael Silver von Gartner Analyst. “Wer jetzt plant, auf Windows 7 umzustellen, wird höchstens 6 Monate investieren müssen. Windows 7 ist dann die richtige Wahl. Wenn es darum geht, eine Windows-Version zu überspringen, ist Windows Vista dafür am besten geeignet.”

Im April 2014 wird Windows den erst kürzlich  zurückgefahrenen Support für Windows XP komplett einstellen. Danach wird es nicht einmal mehr Sicherheitsupdates geben. Auch die Drittanbieter werden ihre Software langfristig nicht mehr für Windows XP entwerfen, weshalb es schon bald keine Gründe mehr geben wird, bei Windows XP zu bleiben.

Unternehmen wird daher empfohlen, Windows XP spätestens 2012 einzustellen und spätestens 2011 mit dem Umstieg auf Windows 7 zu beginnen. So bleibt genügend Zeit für einen sicheren Umstieg.

Steve Ballmer, CEO von Microsoft, sagte im Oktober einmal:

“Wer auf Windows 7 warten will, kann das gerne tun. Windows 7 ist Vista – nur viel besser.”