AOL prüft möglichen Zusammenschluss mit Yahoo

Der nach der Trennung von Time Warner zum Medienanbieter umgebaute ehemalige Internet-Zugangsanbieter AOL lässt derzeit Optionen prüfen, die dem Unternehmen zu einem schnelleren Wachstum verhelfen können.

Dazu hat der Konzern mehrere Finanzexperten beauftragt, einen möglichen Zusammenschluss mit dem Internet-Riesen Yahoo zu prüfen.

Erste Gespräche zu diesem Zusammenschluss soll es bereits vor drei Jahren gegeben haben. Jetzt werden Investoren wieder lauter und wünschen sich sogar den AOL-CEO Tim Armstrong an die Spitze von “AOL Yahoo”.

Yahoo und AOL sind beides typische Beispiele für Internet-Unternehmen der 90er Jahre. Beide haben ein ähnliches Geschäftsfeld. Heute leben sie davon, Inhalt zu produzieren. Auf zahlreichen ihrer Nachrichtenseiten blenden sie ihre Werbung ein, beide Unternehmen bieten ihren Kunden E-Mail-, Instant-Messaging-Kartendienste und Suchmaschinen.

Im Moment sind AOL und Yahoo Konkurrenten. Nach einem Zusammenschluss könnten sie mit einer nahezu unveränderten Produktpalette viel mehr Nutzer erreichen und Erfahrungen zusammentragen. Der Markt ist gut besetzt: ähnliche Angebote gibt es ja auch von Google und Microsoft, gegen die man sich behaupten muss.

Die Kombination

Es gibt Dienste, da ist eine Kombination unnötig; dagegen gibt es solche, bei denen sie sinnvoll wäre. Beispiel Nachrichtenseiten. Inhaltlich wird sich da nicht viel ändern. Man kann zwar dieselben Inhalte unter zwei Namen anbieten, aber bedeutend höher wird der Aufwand dadurch nicht. AOL Mail hat in der Vergangenheit viele Nutzer an die Konkurrenz, insbesondere Google Mail und Microsoft (Live) verloren. Yahoo Mail steht zwar noch da, aber auch diesem Dienst bröckeln seine Nutzer mit. Ein Zusammenschluss der beiden Maildienste würde “AOL Yahoo” zahlreiche mailende Nutzer verschaffen, die regelmäßig die Websites aufsuchen würden und Interesse an redaktionellen Inhalten (und Werbung) finden könnten. Der AOL-eigene Mail-Dienst wird sich vermutlich nicht mehr lange halten können. Ähnliches gilt übrigens auch für die Instant-Messaging-Dienste der beiden Unternehmen.

Die Sache mit der Werbung

Ein großes Werbenetzwerk erreicht viele Menschen. Das hat Google so erfolgreich gemacht. Durch die Kombination ihrer Werbedienste haben AOL und Yahoo eine Chance, sich in diesem Markt zu festigen und mehr Kunden zu gewinnen. Denn: die Anzahl der Impressionen würde nach einem Zusammenschluss ansteigen.

Und der Wert?

Das Unternehmen AOL hat derzeit einen Wert von geschätzten 2,4 Milliarden US-Dollar; Yahoo einen von 16 Milliarden. Man geht davon aus, dass Yahoo AOL für höchstens 3,5 Milliarden US-Dollar übernehmen kann. (Man sagt sich sogar, Yahoo wüsste nicht, wohin mit dem Geld.)

Google schluckt wieder kleine Startups

Dem Google-Konzern geht es wieder gut, sagte CEO Schmidt gestern zu Reuters und man werde wieder damit beginnen, kleine Startups aufzukaufen.

“Wir beginnen jetzt wieder mit unserem normalen Geschäft und konzentrieren uns auf kleine Unternehmen. Ich schätze, dass wir uns eine Übernahme pro Monat leisten können.”

Es gebe auch größere Unternehmen, die es sich Google leisten könnte, zu übernehmen, die seien aber nicht attraktiv genug.

Im August begann nach einer stillen Phase die Übernahme von On2 Technologies, die sich Google 106 Millionen US-Dollar kosten ließ. Gerüchten zufolge schielt Google auf den Internetvideodienstanbieter Brightcove; man schätzt, dass Google hier bereit ist, 500 bis 700 Millionen Dollar aufzuwenden.

Yahoo und Microsoft kurz vor Einigung?

In weniger als einer Woche können Microsoft und Yahoo ihre Verhandlungen abgeschlossen haben, um gemeinsam den Internetgiganten Google attackieren zu können.

Microsoft versucht sich seit Februar 2008 an einer Übernahme an Yahoo, die bisherigen Angebote, die alte Internetfirma mit über 44 Milliarden US-Dollar und dem Kauf von Aktien zu übernehmen, wurden bisher abgelehnt.

imageDie Autoren des Wall Street Journal-Blogs "All Things Digital" wollen erfahren haben, dass Microsoft Yahoo erneut mehrere Milliarden Dollar für suchmaschinenbasierte Werbung anbieten will. Die Beobachter erwarten erste Ergebnisse schon in der neuen Woche.

In der Vergangenheit meldete Yahoo zwar mehrmals Interesse am gemeinsamen Geschäft an, wies Microsoft aber schon bald in die Schranken. Seit dem Führungswechsel an Yahoos Spitze, begann im Unternehmen eine komplette Neustrukturierung, um Yahoo “wiederzubeleben” – denn der Konzern verlor rasch Marktanteile an die Konkurrenz. Genauso wollte Yahoo den Anzeigenmarkt aufmischen, der derzeit von Google erfolgreich beherrscht wird.

Die von Microsofts Plan anfangs begeisterte Carol Bartz, die den Gründer Jerry Yang als CEO ersetzt hat, soll ihre Meinung inzwischen geändert haben: “Yahoo stünde besser da, wenn wir das Wort ‘Microsoft’ nie gehört hätten.”

Eine Übernahme von Yahoos Suchanzeigengeschäft hätte den Konzern imagefinanziell entlastet, während der sich wieder auf den Ausbau seiner Suche konzentriert hätte. Allerdings kamen unter Analysten Fragen auf, wie schnell Microsoft Yahoos Dienste in die eigenen integrieren könnte und ob man gemeinsam eine ernsthafte Konkurrenz für Google darstellen könnte.

Der Verkauf des Suchanzeigengeschäfts würde den Wegfall eines wichtigen Dienstes bedeuten. Ohne ihn sehen viele Analysten inzwischen schwarz für Yahoo. Sie werfen dem Konzern jetzt vor, eine Angebot ausgeschlagen zu haben, das Yahoo gutgetan hätte. Statt wie jetzt geplant nur einen Teil (und obendrein den wichtigsten) von Yahoo abzugeben, hätte man eine Komplettübernahme durch Microsoft akzeptieren sollen.

Ein vereintes Yahoo-Microsoft wäre der gemachte Konkurrent für Google: die eine Firma hat die Erfahrung und die Marktrelevanz, die andere greift ihr unter die Arme.