Mit Schweinegrippe zum Internet-Erfolg


Betreiber von dubiosen Internetangeboten nutzen die Zeiten aus und verwenden Schlagworte wie “Schweinegrippe”, um ihre Websites in den Ergebnisseiten der Suchmaschinen nach oben zu zwängen.


InfluenzaDie Praxis, Schlagworte aktueller Themen einzusetzen, ist keine neue. Allein in Deutschland führen etwa Schlagworte für Software immer häufiger zu den “Abzock”-Websites, deren Betreiber den Nutzern nach Zwangsregistrierung (zur Nutzung des Angebots, also zum Download eines kostenlosen Programms) Rechnungen von Beträgen in der typischen Höhe von EUR 192,- schicken.

Etwas Anders geht man hingegen in den USA vor: dort führt die Suche nach “swine flu” zu Websites, auf denen scheinbar Sicherheitssoftware angeboten wird. Meistens werden Sicherheitswarnungen von vorzugsweise Windows nachgeahmt, die dem Nutzer suggerieren, sein System sei gefährdet oder bereits infiziert und dies könne nur durch dieses und jenes Produkt behoben werden.

Was man bekommt, ist eine wirkungslose “Antispyware” oder dergleichen und im Hintergrund arbeitet bereits ein Programm genau am Gegenteil: der Rechner wird infiziert, Daten können ausgespäht werden oder der Rechner zum Aufbau eines Botnetzwerks “entführt” werden.

Die “Schweinegrippe” als Schlagwort hatte schon viele Vorfahren, darunter “Geflügelgrippe”, “9/11”, “Bin Laden”, oder das Weltuntergangsjahr “2012”. Zu letzterem rieten auch die Redakteure von “webselling”. Die Verwendung solcher Schlagworte muss keine bösen Absichten haben (siehe Empfehlung der Zeitschrift), sondern kann als ganz legales Mittel für die Suchmaschinenoptimierung (SEO) eingesetzt werden, um mehr Besucher anzulocken.

Die Methode mit den ungewöhnlichen (und unpassenden) Schlagworten zum Zwecke der SEO wird auch von immer mehr Website-Betreibern genutzt, um ihre Angebote für Arbeitslose interessant zu machen. Ja richtig, für Arbeitslose. Und mit diesen Besuchern kann man sogar Geld verdienen: sobald sie auf Werbung klicken.

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Rechts: So versucht Christian P. Lakits (Aspirate GmbH) Geld zu verdienen: Das eigentlich kostenlose Programm “7Zip” wird hier gegen Registrierung und Rechnung in Gesamthöhe von EUR 192,- angeboten. Durch die Ausnutzung von Schlagworten erscheint die Website in einer Suchmaschine ganz oben – ohne dass sie eine gekaufte Werbefläche nutzt.

Um Arbeitslose anzulocken, helfen aber weniger Begriffe im Zusammenhang mit Attentaten oder Seuchen, es müssen andere her, wie etwa “zuhause arbeiten”, “Geld verdienen” oder “Heimarbeit”. Meistens sieht es dann so aus: Man soll ein “Trainingskit” für irgendeine Arbeit (etwa das Versenden von Werbe-E-Mails) kaufen und dann seine Mails verschicken. Durch eine einzige Mail soll man den Preis von EUR 20,- (den man für das Trainingskit bezahlt hat) wieder reinholen können.

Neben den – auch hier vorkommenden unseriösen Anbietern – gibt es auch einige glaubwürdigere, die etwa Werbung auf Websites vermitteln. Die wenigsten Arbeitslosen dürften jedoch ein so erfolgreiches Angebot betreiben, dass sie davon leben könnten (es sei denn, man heißt Park Dae-sung).

Viel beliebter als Downloadangebote und Heimarbeit sind Browserspiele, als Klassiker sei hier Travian genannt. Um in diesen Echtzeitspielen erfolgreich zu sein, stellen sich so einige Spieler den Wecker, um etwa eine Lieferung rechtzeitig aber kostensparend zu transportieren oder die Gruppen zu kommandieren, damit sie rechtzeitig am vorgesehenen Ziel aufeinanderstoßen.

Das Wertvolle an diesen Zeitkillern sind wie immer ihre Werbeflächen. Die Besucher verbringen auf diesen interaktiven Websites besonders viel Zeit und garantieren ihrem Betreiber ein sicheres Einkommen.

Die Werbung für diese Browserspiele trifft man übrigens an vielen Orten an, besonders beliebt war es eine Zeit lang, sie in Computerportalen einzublenden. Wer computerinteressiert ist, verbringt automatisch viel Zeit an der Kiste und ist bestens geeignet, Browserspiele zu spielen. Und damit wären wir wieder beim Besucherfang.