Erlebnisse beim Telekom-Kunden


In den vergangenen Tagen habe ich nach der Arbeit (als ob das nicht genug gewesen wäre) ein paar Stunden bei meinem Nachbarn “Olli” verbracht. Der freute sich jetzt endlich DSL zu bekommen – und zwar in der DSL-Todeszone “Waldshut-Bergstadt”. Zumindest hier im Neubaugebiet wollen die Anbieter nichts anbieten, was schneller ist als DSL 2000 (mal angesehen von Kabel BW; aber die haben bei “Olli” keinen guten Ruf"). Dass es kein “volles” DSL 2000 geben würde, wusste er schon: was ich bekomme, entspricht etwa “DSL 1700”, natürlich Tageszeitabhängig.

Freitag

“Olli” schimpfte mal wieder auf die Telekom, jetzt haben sie seinen Auftrag nun doch angenommen und ihm eine Bestätigung geschickt, allerdings fehle der Router. Den, so kündigte er an, wolle er sich persönlich holen.

Montag

Olli fing mich nach dem Nachhausekommen ab und meinte, er sei da bei der Telekom gewesen und so lange im Laden geblieben, bis sie ihm einen Router gegeben haben. Der liege jetzt bei ihm und irgendwas funktioniere da nicht.

Also mit in den Keller gegangen und als erstes (im Tunnelblick) die geöffnete CD-Schublade am PC gesehen – die Kombination aus schwarz und rosa löste in mir ein Gefühl aus, das eigentlich nur die Bienen beim Flug über eine Wiese zu vernehmen vermögen: Greifen und mitnehmen.

“Die Programme musst du gar nicht erst installieren” und schlug zu. Im selben Moment erinnerte ich mich an ein bei daujones.com beschriebenes “DAU-Erlebnis” vom Telekom-Kunden der immer wieder fragte “soll ich vielleicht nicht doch die T-Online-CD…”. Lassen wir’s.

Innerhalb der ersten 10 Minuten beging ich den ersten Fehler. Ich glaubte Olli.

Ich glaubte ihm, dass es sich bei dem kleinen weißen Gerät an der Wand um einen Router handelt. Es passte ja auch alles: Am Boden lag ein Splitter mit belegtem Anschluss vom Amt, raus kam ein graues DSL-Kabel, das zu besagtem Gerät ging. Von dort aus wiederum lief ein Patchkabel zum PC – passte, schien sinnvoll, kannte ich alles von meiner eigenen Anlage.

Kompliziert wurde es, als die Netzwerkkarte partout keine IP-Adresse bekam. Komischer Router, da musste was faul sein. Also ein altes Zyxel-Gerät genommen, das ich noch bei mir rumliegen hatte, angeschlossen – lief. DHCP ging hier, ich kam auf das Webinterface und konnte die Verbindungsdaten eingeben.

Das Gerät solle er mal prüfen lassen, der DHCP-Server funktioniert offensichtlich nicht. Sehr peinlich, wie sich später herausstellte.

Vorsichtshalber versuchte ich es dann doch mit der Software von der schwarz-rosa bedruckten CD. Beim Versuch den Router zu ermitteln, kam die aber nicht weiter und ließ mich im Stich.

Ich habe ihm immer noch geglaubt, dass er einen Router bekommen hat.

Dienstag

Nächster Fehler meinerseits: Auf dem Weg zwischen Auto und Haustür legte ich einen Schwenker ein und schaute bei Familie Olli vorbei. Der Herr war heute wieder bei der Telekom und hielt mit einen handgeschriebenen Zettel unter die Nase und rieb mir ein “der Router funktioniert” unter selbige.

Das “Speedport 201” funktionierte. Wie? Neue Verbindung, Internetverbindung, Verbindung mit Breitbandmodem. Klingt einfach, aber verdächtig: Verdammte <Sonderzeichen>, das Speedport ist gar kein Router!

Als Modem funktionierte das <Insert random Unflat here> nämlich wirklich – man darf nicht darauf warten, dass die Netzwerkkarte eine IP-Adresse bekäme und ein Webinterface zum Konfigurieren gibt es natürlich auch nicht.

Die von der Telekom mitgelieferte Software ist dazu nämlich auch nicht in der Lage. Olli holte sich die nötigen Anweisungen bei der Telekom.

Weil jetzt alles lief, verschwand das von ihm in der Nacht installierte “Cockpit” sowie anderer T-Kram wieder vom Computer.

Immer wenn du da bist

Auch ohne rosa Software war er zufrieden, jetzt ins Internet gehen zu können. Mit meiner Frage “Wieso blinken denn da sie Sicherheitswarnungen” begann ein etwa eine Stunde andauerndes Hin-und-Her, was ich denn nur gemacht hätte.

Irgendjemand (raten Sie mal wer!) muss das Antivirenprogramm deinstalliert haben und gerade Olli als Anfänger wollte ich nicht so auf das Internet, pardon, das böse Internet nicht auf den ungeschützten PC von Olli loslassen.

Ich habe es wieder installiert und bei jedem Installationsschritt kurz erklärt, was ich da mache. Anschließend war ein Neustart angesagt, der aber gerade zu einem schlechten Zeitpunkt gekommen wäre. ICQ sollte ich deinstallieren, “den Scheiß” brauche er nicht. Gesagt, getan, oder auch nicht – nach der Installation wollte ICQ nach Hause telefonieren und startete den Webbrowser.

Prompt kam der Einwahldialog: Verbindungsaufbau gescheitert, Benutzername oder Kennwort falsch.

Zweiter Versuch (Klick auf “Wiederholen”) : “Der Remotecomputer antwortet nicht”.

Dann die Vorwürfe “Das ging doch eben alles noch” und “seit du da bist, geht hier nichts mehr!” sowie “jedes Mal, wenn du…”. Ahja, danke.

Mein wütendes Opfer zog sich für die nächste Halbe Stunde zum Einkaufen zurück und ließ mich allein. Ich machte die einzige von mir durchgeführte systemnahe Änderung rückgängig: Ich deinstallierte das Antivirenprogramm. Und es änderte nichts.

Beim Gegenversuch, das Modem mit dem Laptop zu verbinden, scheiterte ich ebenfalls. Es konnte also nicht am PC liegen. Also…?

Tuut

Ich war mir sicher: nach dem Unwetter hatten wir eine Leitungsstörung und ich sollte mal nachfragen, um den Geplagten wenigstens zu beruhigen (und nicht immer mich zu beschuldigen).

Also wählte ich die auf den Unterlagen stehende 0800er-Nummer. Ein Tuut und weg war’s. Auch nach dem zweiten und dem dritten Versuch.


Ich wollte wissen, ob es vielleicht an der Telefonanlage liegen könnte. Also hochgestiefelt und alle drei Telefone gesucht. Ja, Olli und seine Frau brauchen drei Telefone sowie zwei Handys. Warum nicht.

Problem gefunden: irgendjemand (raten Sie mal…) hatte vergessen, aufzulegen. Die Leitung war dicht und ich hörte beim Wählversuch nur ein kurzes “Tuut”.

Die Telefon- und Ursachensuche hat mich ungefähr 10 Minuten gekostet.

Jetzt konnte es aber losgehen. Nach einem kurzen aus “Störung. STÖRUNG!!” und “Ja. JA!! JAAA!!!” bestehenden Gespräch mit dem Computer der Telekom meldete sich eine Mitarbeiterin, von der ich letzendlich die meinen Hintern rettenden Worte hörte: “Der Zugang wurde gesperrt”.

Diese…!!

Das tat so gut. Die Nette hob die Sperre auf und ich konnte live testen, was beim Klick auf den ominösen “Wiederholen”-Button passierte: “Verbindung hergestellt”.

Ach wie toll.

Ollis Frau sagte ich so etwas wie “sag ihm, ich hab kein’ Bock mehr, er soll kommen, wenn er was will” und wollte gerade gehen, da stand er schon an der Tür (mit Tüte vom orangefarbenen Baumarkt). “Es geht…” – “Was hast du…” – “Die Telekom hatte den Zugang gesperrt” – “Diese <Sonderzeichen>!!”

Ich habe am PC ein paar Websites geöffnet, um das Wunder zu demonstrieren. Das Volk jubelte. Dann meinte ich, dass ich das Antivirenprogramm ja wieder installieren könne, schließlich habe es den Fehler offensichtlich nicht ausgelöst.

Aber viel besser: ich würde an diesem PC und der gesamtem Peripherie nichts mehr anfassen und verändern – “das machst ab jetzt du”, Olli!

Die Krönung

Und so taten wir: er nahm die Maus in die Hand und installierte das Antivirenprogramm von Neuem, passte die Nichts-mehr-selber-machen-Einstellungen an, holte sich seine freie Lizenz und trug sie ein. Und währen dich ihm da so Anweisungen gab, blieb der Mauszeiger beim Navigieren durchs Startmenü plötzlich in einem Ordner stecken. Nichts zu machen.

Ich schlug vor, doch eine andere Maus anzuschließen (er hatte noch zwei, die ich ihm mal geliehen habe) und tat es allerdings – wie sollte es auch sonst sein – selber.

Die Ersatzmaus funktionierte, dafür… warum passiert denn da nichts?… hä? *hämmer*… war die Tastatur tot.

Hinter mir hatte sich inzwischen ein Publikum aus einem teils vom schlechten Gewissen geplagten Olli und zwei Frauen (!) aufgebaut, das in diesem Moment nicht anders konnte, als zu lachen.

Ja, danke, der war echt gut.

Ich musste den Computer neu starten, damit sowohl Tastatur als auch Maus wieder funktionierten.

Ich habe selten einen Computer mit so einem enormen Erwartungsdruck im Rücken neu gestartet.

Danach funktionierte aber wirklich alles.

Aber jetzt fasse ich an diesem Computer nichts mehr an und lasse Olli alle Installationen selber machen – natürlich gebe ich die Anweisungen, aber ich zwinge ihn ja zu nichts…

Beim Rausgehen rief er mir noch hinterher, ich solle ihm eine Rechnung schreiben.

Werde ich machen, Olli. Da wird aber nur eine Position draufstehen:

Seelische Belastung.


Ohne Internet bloggen

In eigener Sache

Wie Sie vielleicht einigen Beiträgen entnehmen konnten, bin ich kürzlich umgezogen und die Folgen haben sich nach außen hin insbesondere in meinem Blog wiedergespiegelt: Der Internetserviceprovider mit zweimal der Eins in seinem Name gab an, bis zu vier Wochen könne es dauern, bis das DSL wieder geschaltet sei.


Interimsmäßig muss ich mir mit einer lahmenden Modem-Verbindung über mein Handy (teuer), WLAN in der Stadt (umständlich) oder Internetzugang bei Modem oder Handy?Verwandten/Bekannten (unregelmäßig) behelfen.

Rechts: PC von 2009, Modem vom 1992 und ein Handy mit GPRS-Modem. Das Modem hat sogar noch ein BZT-Abzeichen mit Bundesadler, es stammt aus der Zeit vor der Zerschlagung der Bundespost in die Post und die Telekom.

Das kann dazu führen, dass meine Blogbeiträge stark verspätet veröffentlicht werden, weil die Uhrzeiten anders angegeben werden. Die Ursache ist, dass ich mit Live Writer blogge und wenn ich meine Beiträge zum Späteren Veröffentlichen abspeichere, Datum und Uhrzeit der Erstellung beibehalten werden.

Weil es einige interessieren dürfte: Nein, das Handy als Modem ist nur eine gelegentlich genutzte Zwischenlösung und aufgrund des miserablen Empfangs in der Bergstadt (Waldshut)  habe ich hier mit etwas Glück eine EDGE-Verbindung, über die die Daten mit bestenfalls 10 kb/s rasen – jedes klassische Modem an der Telefonleitung konnte mehr.

Früher wartete man 15 Jahre auf ein bestelltes Auto, 2 Monate auf einen Telefonanschluss (BRD) und was hat sich heute gebessert? Eine Woche hat es gedauert, bis der Telekom-Techniker da war (schnell!) und das Kabel angeschlossen hat. Bis zu vier Wochen (4 – v-i-e-r!!) soll es laut 1&1 dauern, bis DSL über die Leitung möglich ist. Vier Wochen sind fast ein Monat und kosten ca. 30 Euro – für nichts. Hinzu kommt, dass VoIP während dieser Zeit ebenso unmöglich ist und man nur zum Normaltarif der Telekom telefonieren kann.

Wenn ich hier schon “in eigener Sache” blogge:

Ich brauche ein Auto (war auch hier zu entnehmen) und das kostet Geld. Da wird es mal wieder Zeit für eine größere eBay-A(u)ktion, bei der letzten habe ich immerhin 13 von 16 Artikeln verkauft, aber dieses Mal habe ich weitaus bessere Artikel im Angebot:

zu Verkaufen Also wenn hier jemand Schachliebhaber, ISDN-Fanatiker, Philatelist, Antiquitätensammler, Cartoon-Liebhaber, DSL-aber-keine-Hardware-Besitzer, Schüler oder Raucher ist oder einfach jemand, der eine vergoldete Taschenuhr (ohne Gravur!), einen Philips-CD-Player, zwei Holzteller, ein altes Radio von Herz-König oder eine analoge Kamera mit Film haben möchte – sobald ich DSL habe, gibt’s das zu Ersteigern. Ich brauche das Geld. Und ein Auto. Hilfe!

Also, man liest sich. Zumindest einseitig. In der Zwischenzeit kann Phate den Laden schmeißen, also immer schön Klopfzeilen lesen  ;-)