Microsoft Research bastelt an neu konzipiertem Browser “Gazelle”


Schnell, elegant, wendig: Vielleicht möchte Microsoft genau das mit dem gewählten Name für den neuartigen Browser ausdrücken. Gazelle ist nicht einfach nur ein Webbrowser, sondern ein Browser, der einen eigenen Kernel hat – Gazelle ist ein Betriebssystem für Webbasierte Anwendungen.


Gazelle ist darauf konzipiert, zuverlässig und abgesichert zu arbeiten: Für jede aufgerufene Webanwendung ordnet der Browser-Kernel dieser einen eigenen Prozess zu. Der Browser wird daher auch als “Multi Principal Operating System” beschrieben. Ähnlich arbeitet bereits der bald erscheinende Internet Explorer 8 (derzeit als Vorabversion erhältlich): Hier wird je Registerkarte ein eigener Prozess verwendet. Stürzt einer dieser Prozesse aufgrund eines Problems mit einem Skript ab, so stürzt nicht der gesamte Browser ab, sondern nur diese eine Registerkarte – für Stabilität ist also gesorgt.

Gazelle setzt das bereits bestehende Konzept strenger um: statt jeder Registerkarte ordnet der Kernel jetzt auch jeder Domain und jedem eingebetteten Objekt (etwa in einem Inline-Frame) einen eigenen Prozess zu. Zwischen den einzelnen “Principals”, den Prozessen, stellt der Kernel die Schnittstellen zur Kommunikation bereit. Getrennt wird übrigens auch in Abhängigkeit vom Protokoll: Seiten der gleichen Domain, die per HTTP und HTTPS aufgerufen werden, sind somit voneinander getrennt. Bisherige Browser erlauben nach einer Rückfrage das Senden von Daten an eine verschlüsselte oder unverschlüsselte Seite, also genau dann, wenn das Protokoll gewechselt wird.

Für Cookies sehen die Forscher ein eigenes Behandlungskonzept vor: sie werden zunächst nur einer Domain, nicht aber einem Protokoll zugeordnet. Cookies sind auch nur für Seiten derselben Ordnerebene zugänglich:

For example, if the page a.com/dir/1.html creates a cookie, then that cookie is accessible to a.com/dir/2.html and other pages from that directory and its subdirectories, but is not accessible to a.com/.

Seiten, die nicht per HTTPS aufgerufen werden, können zwar Cookies setzen und austauschen, solange sie nicht als “secure” gekennzeichnet wurden – besteht diese Kennzeichnung aber erst einmal, können die Cookies nur noch in eine Richtung, gelesen werden.

Den vollständigen Forschungsbericht zu Gazelle können Sie als PDF auf research.microsoft.com nachlesen.


Serienfotos mal anders

Seit einiger Zeit stellt Microsoft über seine Research-Portale so allerhand interessante Projekte und Forschungsobjekte vor. Da waren zum Beispiel Touchless und Songsmith. Auch schon etwas länger bekannt, ist Photosynth als Bestandteil des Windows Live-Angebots. FischMit Photosynth lassen sich – etwas vereinfacht formuliert – mehrere Fotos, die ein Objekt aus verschiedenen Perspektiven zeigen oder Fotos, die Ausschnitte eines größeren Objekts zeigen, zu einem Bild, zusammensetzen, durch das man sich bewegen kann – man nennt es dann ein “Synth”.

Um eigene Synths zu erstellen, braucht man das Programm “Photosynth”, das einem beim Besuch der Photosynth-Website angeboten wird, eine Windows Live-ID und ein paar Fotos vom selben Objekt.
Das Programm ist denkbar einfach zu bedienen: Man gibt dem neuen Synth einen Name, wählt mindestens drei Fotos, die dafür verarbeitet werden sollen und startet das Zusammenfügen. Sogar das Hochladen des Synths (damit man es nachher anschauen kann, das geht nur über die Website) und der Fotos erledigt das Programm für einen.


Die fertigen Synths werden unter Ihrem Profil (das Sie nach dem ersten Start des Programms anlegen müssen) angezeigt und können von anderen Besuchern der Website betrachtet werden.

Erfahrungen mit Photosynth

Ein paar meiner Synths (derzeit ein altes Laptop, ein Lego-Auto und ein Plüsch-Fisch) können Sie auf meiner Profilseite ansehen. Mit den von mir gewählten Objekten schien Photosynth möglicherweise aufgrund der geringen Größe ein paar Probleme zu haben. Bildteile, die es nicht zuordnen konnte, wurden als eigene 3D-Gruppe in das Synth eingefügt. So sieht man meinen Fisch in der ersten Gruppe von schräg oben und in der zweiten Gruppe von  hinten rechts.

Fisch Fisch

Andere Benutzer haben bei der Erstellung von größeren Objekten nur wenige Fotos verwendet, die viel Objektoberfläche eingefangen haben. Meine Idee, Bilder wie Kacheln zusammenzusetzen hat beim Laptop nicht funktioniert, hier ist nur ein Teil der Innenseite sichtbar geworden:

image

Obwohl ich über 180 Fotos vom Laptop gemacht habe, konnte Photosynth sie nicht demselben Objekt zuordnen. Photosynth bewertet dieses Synth als “63% synthy”. Als ich dem Programm nur die ersten 74 Fotos gab, die das Laptop fast vollständig zeigten, bewertete Photosynth das Ergebnis zu “85% synthy”, es ist also wesentlich besser als der Versuch mit den Nahaufnahmen. Nur einige unscharfe Fotos oder solche, die aus stark abweichenden Perspektiven aufgenommen wurden, wurden einer weiteren 3D-Gruppe zugeordnet.

100% synthy

Mit etwas Übung werden die Synths immer besser. Man sollte auch etwas über die Theorie wissen: zum Beispiel, dass sich das Programm beim Zusammenfügen der Bilder allein an der Oberflächenstruktur (nicht an der Form!) orientiert. Das kann natürlich problematisch werden, wenn Oberflächen aufgrund des Lichteinfalls spiegeln oder der Farbunterschied zu anderen Bildern stark abweicht. Wenn Photosynth den Sprung von einem Bild zum anderen nicht findet, etwa weil der Unterschied zwischen den Aufnahmewinkeln zu groß ist oder man plötzlich eine Fläche beleuchtet, werden die Bilder in 3D-Gruppen aufgeteilt – dann kann man im Ergebnis nicht einfach um ein Objekt herumwandern oder sich darin bewegen (wenn es ein Raum ist).

Wenn Sie sich fertige Synths von größeren Objekten anschauen (ich kann Ihnen als Beispiel das Denkmal “pomnik powodzianina” vom Benutzer “devil33”, “100% synthy”, empfehlen), werden Sie beim pomnik powodzianinaDarüberfahren mit der Maus Andeutungen von Rechtecken sehen – das sind Nahaufnahmen von entfernten Objekten. Sie können sich einem Objekt nähern und zum Beispiel die Details des Denkmals anschauen. Wenn Sie nun P drücken, werden nur die Punktewolken angezeigt, an denen sich Photosynth beim Zusammensetzen der Einzelbilder orientiert.

Wenn Sie ein Objekt gefunden haben, das Sie aus Fotos zu einem Synth verarbeiten wollen, planen Sie am besten, wie Sie beim Fotografieren vorgehen wollen:

  • Machen Sie großflächige Aufnahmen bei großen Objekten und vermeiden Sie viele Überschneidungen, damit nicht zu viele Bilder unbrauchbar sind und “verloren” gehen
  • Fassen Sie kleine Objekte möglichst ganz in die Einzelbilder ein, vermeiden Sie zu große Winkel zwischen den Aufnahmepositionen
  • Um Probleme mit Reflexionen und Schatten zu vermeiden, drehen Sie sich um das Objekt, nicht umgekehrt
  • Vermeiden Sie zu starke Helligkeitsschwankungen
  • Falls Sie Details von einem größeren Objekt einfangen wollen, fotografieren Sie es zunächst aus der Ferne und dann aus der Nähe – Fotos aus Zwischenpunkten der Strecke können oft nicht zugeordnet werden
  • Ich wünsche viel Spaß beim synthen!