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iPhone OS 4 lernt Multitasking (und noch viel mehr)

Steve Jobs and the iPhone, Bild von dfarber, flickr, cc-lizenziert

Es dürfte eine von den iPhone-Nutzern lang ersehnte Änderung sein, die Steve Jobs da gestern bekanntgab. Mit dem neuen Betriebssystem für das iPhone, das auch die Basis für das Betriebssystem des neuen iPad stellt, will Apple Entwicklern 1500 und Anwendern immerhin 100 neue Funktionen bieten. Die aus Anwendersicht wichtigsten sind:

  • Ordner
  • verbesserte Mail-Anwendung
  • E-Book-Reader “iBooks”
  • Game Center
  • mit “iAd”-finanzierte Apps
  • und Multitasking.

Die Neuerungen im Einzelnen:

Ordner

In Ordnern lassen sich Apps auf dem Home Screen gruppieren. Dazu drückt man ein Symbol so lange, bis es zu Flackern beginnt; die anderen Symbole werden jetzt darauf gezogen und fallen gelassen. Das Betriebssystem kann anhand der Programmkategorie einen Ordnernamen vorschlagen. Ordner werden auch über iTunes 9.2 am Mac oder PC erstellt werden können.

Mail

Bislang listet Mail die Posteingänge mehrerer Konten getrennt auf. Mit dem neuen Mail wird ein globaler Postausgang angeschafft, der aber ein Sortieren nach Konto erlaubt.

Anhänge können in OS 4 auch von Drittanbieter-Apps geöffnet werden.

iBooks

Sicherlich mit Blick auf den in den USA erfolreichen E-Book-Reader “Kindle” von Amazon ist das iPad entstanden. Eine seiner Funktionen, das Lesen von E-Books wird auf dem iPhone mit der App “iBooks” möglich. Für das iPhone gibt’s allerdings nur die kleinere Ausgabe des Readers: maximal neun Bücher passen ins virtuelle Regal. Komplette E-Books mitsamt ihrer Lesezeichen können zwischen mehreren Geräten synchronisiert werden.

Game Center

IM App Store sind derzeit 185 000 Anwendungen erhältlich, 50 000 davon sind Spiele. Da war es eine Frage der Zeit, bis Apple Spiele besser ins OS integrieren und ein “Game Center” bereitstellen würde. Game Center ist ein ganzes Netzwerk, über das man andere Spieler zu Spielen einladen kann. Dazu gibt’s eine Fortschrittsübersicht und die obligatorischen Highscores.

iAd

iAd ist Apples neue Plattform für internetbasierte Werbung auf Mobilgeräten. Die “iAds” werden direkt in (kostenlose) Apps integriert. Sie basieren laut Jobs auf HTML5 und er zeigte auch gleich, was möglich ist: die Beispielwerbung bestand aus einem Spiel und einem Video.

Öffnet man die Werbung, wird die laufende App nicht beendet, die Werbeeinblendung belegt aber das komplette Display. Sie kann jederzeit geschlossen werden.

Entwickler, die iAd in ihren Apps einsetzen, erhalten 60 Prozent der erzielten Umsätze.

Multitasking

Das wurde auch Zeit, dürften sich so einige denken. Das iPhone und sein jüngerer Bruder iPad standen und stehen in der Kritik, trotz moderner Technik Multitasking auf Anwenderebene vermissen zu lassen. Apple sah bislang nur eine offene App vor. Will man in OS 4 eine weitere App starten, gehrt man wie gewohnt zum Home Screen zurück und wählt die App aus. Mehrere gleichzeitig laufende Apps (“Tasks”) verwaltet man über ein Menü, das sich durch doppeltes Drücken des Home-Buttons öffnen lässt.

Durch das Multitasking wird es zum Beispiel möglich sein, Musik (mit der iPod-App oder dem Radio) zu hören und gleichzeitig zu surfen. Das Prinzip ist auch beim Telefonieren mit Skype möglich.

Mit “Fast App Switching” kann der Zustand einer App gespeichert werden und die Ausführung später fortgesetzt werden, das dürfte besonders bei Spielen gern genutzt werden.

“Task Completion” ermöglicht es einer Anwendung, ihre Aufgabe abzuschließen und sich dann automatisch zu beenden.

Das leider immer noch nicht echte Multitasking funktioniert übrigens nur auf dem iPhone 3G S und dem iPod Touch 3G.

Noch mehr…

Die kleineren, für den Anwender nicht sofort ersichtlichen Neuerungen sind:

  • 5-facher digitaler Zoom für die Kamera und Tippen, zum fokussieren
  • Unterstützung für Bluetooth-Tastaturen
  • Multitasking VOIP-API
  • Gesichtserkennung in Fotos
  • Fotos mit Standort-Tags versehen
  • Hintergrundbild für den Home Screen
  • Rechtschreibkontrolle
  • Zeichen in SMS-Kurznachrichten zählen
  • Playlists erstellen
  • IMAP-Notizen synchronisieren
  • Geburtstagskalender
  • Wake on Wireless
  • Historie für Suchvorgänge
  • Größere Schriftarten in Mail und SMS
  • SMS und MMS durchsuchen
  • Unterstützung für mehrere Exchange-Benutzerkonten
  • Unterstützung für SSL-VPN
  • Mobile Device Management (drahtlose Gerätekonfiguration für Unternehmen)

Das iPhone OS soll für Endkunden im Sommer erhältlich werden. Registrierte Entwickler können das OS 4 und das passende SDK bereits über das iPhone Developer Program beziehen.

iPad am Start

Apple iPad (Bild von Matt Buchanan, Wikimedia Commons, bb-by-sa)

Viel besser als erwartet begann in den USA am Wochenende der offizielle Verkaufsstart für Apples neuestes Produkt: das iPad. 700 000 Geräte sollen bereits verkauft worden sein, mit 400 000 rechnete man.

Apple profitiert ganz klar von seiner perfekten Vermarktung und von den “Fans” – denn die waren es, die das neue Gadget bereits vorbestellt hatten, 300 000 an der Zahl. Die Spontankäufer hatten dagegen schlechte Chancen. Zwar sollen sich die Massen an Warteschlangen in Grenzen gehalten haben, dafür konnten diejenigen, die ihr iPad reserviert hatten, es bequem abholen. Die Verkaufszahlen überragten die des iPhone deutlich: 270 000 Smartphones verkaufte Apple in der gleichen Zeit. Dem iPad dürfte der immer noch aktuelle Hype um das iPhone zugute gekommen sein.

Spätestens seit der Präsentation im Januar wurde das iPad gerne mal als großes iPhone verspottet. Dass das hin und wieder gerechtfertigt ist, zeigt, was drin steckt und was darauf läuft:

Das Betriebssystem basiert auf dem iPhone OS und unterstützt alle im App Store erhältlichen iPhone-Apps ausnahmslos. Genau wie das iPhone beherrscht das iPad Multitasking – doch auch nur eingeschränkt. Apple hat nicht vorgesehen, dass zwei Anwendungen gleichzeitig laufen. Theoretisch wäre das dank der Xcode-Plattform möglich und wird auch für den Benutzer unsichtbar genutzt. Die Betriebssystemprozesse laufen im Hintergrund weiter, während eine Anwendung läuft.

Wie das iPad von Innen aussieht, zeigt der Artikel iFixit zerlegt das iPad: So sieht Apples Tablet von innen aus bei Basic Thinking.

Getrübte Stimmung: zu viel Sonne und dunkle Displays

Inmitten der vielen Gerüchte um zu dunkle Displays ist eines bestätigt: das iPad mag keine hohen Temperaturen. Apple empfiehlt eine Umgebungstemperatur von 22°C, die Obergrenze soll bei 35°C erreicht werden. Wer sein iPad im Auto oder in der Sonne liegen lässt, kann die Meldung “iPad needs to cool down before you can use it” bekommen. Von dem Tipp, das Gerät zum schnellen Wiederverwenden einfach in den Kühlschrank zu legen, rate ich übrigens ab: zu hoch ist das Risiko, dass sich außerhalb des Kühlschranks Kondenswasser niederschlägt und die Elektronik beschädigt.

Das die dunkel erscheinenden Displays angeht: Die Helligkeit soll dem Umgebungslicht angepasst werden. Es ist daher anzunehmen, dass die Bilder von scheinbar schwach beleuchteten iPads bei schwachem Licht entstanden sind.

Windows 7 keine Bedrohung für Apple

Microsofts morgige Markteinführung von Windows 7 wird Apples Verkaufszahlen nicht beeinflussen, schätzen mehrere Analysten in den vergangenen Tagen.

Brian Marshall (Broadpoint AmTech) hat Apples Zahlen der Zeiträume der vergangenen vier Markteinführungen von Windows (Windows 98, 2000, XP und Vista) analysiert und will dabei keinen Einschlag festgestellt haben. Apple kam es möglicherweise zugute, dass Microsoft ihr Windows-Betriebssystem immer später als das jeweils aktuelle MacOS ausgeliefert hat – sozusagen verspätet.

Apple 7 Abgesehen von den Zahlen, die im Jahr 2000 festgehalten wurden, gewann Apple immer; nur Windows 2000 führte dazu, dass sie weder stiegen, noch fielen.

Der Vista-Flop half Apple, sich auf dem Markt für Computer und Betriebssysteme erneut zu behaupten. Nach dessen Markteinführung im Jahr 2007 verlor Microsoft Kunden an Apple, was vor allem auf Negativ-Kritiken an Windows Vista zurückzuführen war.

Man geht jedenfalls davon aus, dass Apple auch nach der Markteinführung von Windows 7 seine Position halten wird. Das Unternehmen ist – verglichen mit der Konkurrenz – (noch) klein und unabhängig von den meisten Konzernen.

Sobald Apple aber mehr als 10 Prozent des PC-Markts innehat, besteht für Cupertino die Gefahr, Anteile an einen Windows-Nachfolger zu verlieren. Von Windows 7 gehe nach der Meinung der Analysten jedoch keine Gefahr in diesem Sinne aus.

Allerdings wird für die nächsten Jahre genau ein so großes Wachstum erwartet: sobald Apple seine Preise senkt – und das war schon mehrfach angekündigt worden – könnte ein Run auf die Produkte mit dem Obstlogo beginnen, der Apple zum ernsthaften Microsoft-Konkurrenten wachsen lassen könnte. Zudem gehört Apple zu den Firmen, die von der Weltwirtschaftskrise am wenigsten betroffen waren.

Google: “Apple hat gelogen” – Voice als iPhone-Anwendung nicht zugelassen

Im August ließ Apple mitteilen, dass Googles “Voice”, eine zur Internettelefonie geeignete Anwendung, nicht offiziell als Anwendung für das iPhone verbannt sei, sondern der Fall noch geprüft werde. Daran hält Apple auch derzeit noch fest.

Google behauptete in seinem Public Policy Blog heute, Apple habe die “Voice”-Anwendung zurückgewiesen und mit dem Beitrag ein Dokument veröffentlicht.

Demnach soll Apple Voice deshalb abgelehnt haben, weil es zum Wählen eine Kernfunktion des iPhones nachahmen würde. Apple lehnt Anwendungen ab, die Funktionen des iPhones ersetzen oder überflüssig machen könnten.

Google bezieht sich auf Gespräche der Herren Alan Eustace (Google Senior Vice President of Engineering and Research) und Phil Schiller (Apple Senior Vice President if Worldwide Product Marketing). Schiller soll Eustace bereits am 7. Juli mitgeteilt haben, dass Voice aufgrund der oben bemängelten Gründe als Anwendung für das iPhone abgelehnt worden sei.

Damit ist Google Voice vorläufig auch von der Softwaredownloadplattform “App Store” ausgeschlossen.

Google Filing about Apple’s Rejection of Google Voice for iPhone



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