Microsoft stellt “Social Phone” “Kin” vor
Man hat damit gerechnet, dann nicht mehr und dann doch wieder. Spätestens seit Informationen über das Projekt “Pink”, so der Codename für das Smartphone “Kin”, an die Öffentlichkeit traten, war klar: Microsoft arbeitet jetzt doch an einem eigenen Smartphone – oder wie es der Konzern selber nennt: einem “Social Phone”.
Das Kin ist gewiss ein erneuter Angriff Microsofts auf Apples Erfolgs- und Kultprodukt iPhone. Mit dem gelang dem Erzrivalen 2007 nämlich ein großer Erfolg, der, wie sich derzeit abzeichnet, mit dem iPad fortgesetzt werden könnte. Bei Microsoft besteht also dringender Handlungsbedarf, denn mit dem Kerngeschäft, der Softwareentwicklung, sieht man sich offensichtlich unterrepräsentiert.
Mit dem Kin will Microsoft ihr Produkt übrigens nicht im Business- sondern im Consumer-Segment platzieren und die mit der Xbox und besonders Zune aufgebauten Plattformen breiter auslegen: in das Kin wurde nämlich das Zune-Angebot integriert (wie schon im Januar in die Xbox).
Technische Daten
Über Details schweigt Microsoft noch, aber Grundsätzliches ist schon bekannt:
Eine ausschiebbare Tastatur, ein 3G-Modul, ein multitouch-fähiges Display und ein FM-Radio sind beiden Varianten gemein.
| Kin One | Kin Two | |
| Größe | klein, auf 1-Hand-Bedienung ausgelegt | größer, mit 2 Händen bedienbar |
| Speicher | 4 GiB | 8 GiB |
| Kamera | 5 MP | 8 MP |
| Videoaufnahmen | SD | HD |
Die Kameras sind übrigens mit einem Bildstabilisator und einem LED-Blitz ausgestattet.
Kin Loop
“Kin Loop” heißt der Startbildschirm auf den neuen Smartphones. Über diese Oberfläche werden aktuelle Benachrichtigungen aus den verbundenen sozialen Netzwerken auf dem Display angezeigt.
Mit “Kin Spot” kann man selbst Statusmeldungen ins Netz schicken.
Schlechtes Wetter steht über der Neuerscheinung
Gleich einen Tag nach der Präsentation wurden mit Preston Grallas Publikation “Fünf Gründe, weshalb Sie kein Microsoft Kin wollen” Kritik am neuen Microsoft Produkt laut:
Gralla bemängelt in erster Linie den Mangel an Apps. Welches Betriebssystem auf dem Kin zum Einsatz kommt, ist noch nicht ganz klar, die Gerüchteküche kocht mit Windows CE aber auch mit einem Windows Mobile 7-Abkömmling. Der Mangel an Apps ist aber auch eine logische Konsequenz: da die Plattform in dieser Auslegung neu sein wird, darf man nicht mit der Masse an Apps rechnen, die es beispielsweise für die Produkte der Konkurrenz gibt.
Wer den portablen Player Zune HD kennen gelernt hat, war vom Design, und der neuen Technik beeindruckt – jetzt enttäuscht Microsoft mit einem aufschiebbaren Handy mit klassischer Miniatur-Tastatur. Ein reine Bedienung über das Touchscreen wäre nach dem Zune HD zu erwarten gewesen, aber vielleicht nimmt es Microsoft mit dem Einstieg eigener Handys in den Markt noch nicht so ernst.
Braucht die Welt überhaupt ein neues Smartphone?,
darf man sich berechtigter Weise fragen.
Microsoft zielt auf Nutzer ab, die mit dem Handy soziale Netzwerke, wie beispielsweise Twitter, Myspace, Facebook und natürlich Windows Live nutzen wollen. Ein Datentarif auf dem Handy ist daher obligatorisch.
Das Kin bringt nach bisherigen Erkenntnissen aber nichts, was es nicht schon gibt – abgesehen vielleicht von der Größe des Kin One; und ob das wirklich so eine gute Idee war, wird sich zeigen.
Eine Konkurrenz für die derzeit auf dem Markt erhältlichen Smartphones könnte allerdings das Kin Two darstellen: durch seine Größe ist es leicht bedienbar und lässt mit der ausziehbaren, wenn auch nicht ganz modernen Tastatur mehr Platz auf dem Display.
Einen Vorteil wird das Kin definitiv haben: es wird billig sein. Zumindest nach bisherigen Einschätzungen. Microsoft verzichtete bei der Entwicklung auf moderne Technologien und setzt sogar ein, wie Gralla es nannte, Betriebssystem von “yesterday’s technology” ein. Immerhin, was die Software anbelangt, kann man, da es von Microsoft ist, einig Zeit mit Verbesserungen in Form von Updates rechnen. Dann dürfte auch die schlecht umgesetzte Unterstützung für Twitter schon bald verbessert werden.
Weiterlesen/Quellen
iPhone OS 4 lernt Multitasking (und noch viel mehr)
Es dürfte eine von den iPhone-Nutzern lang ersehnte Änderung sein, die Steve Jobs da gestern bekanntgab. Mit dem neuen Betriebssystem für das iPhone, das auch die Basis für das Betriebssystem des neuen iPad stellt, will Apple Entwicklern 1500 und Anwendern immerhin 100 neue Funktionen bieten. Die aus Anwendersicht wichtigsten sind:
- Ordner
- verbesserte Mail-Anwendung
- E-Book-Reader “iBooks”
- Game Center
- mit “iAd”-finanzierte Apps
- und Multitasking.
Die Neuerungen im Einzelnen:
Ordner
In Ordnern lassen sich Apps auf dem Home Screen gruppieren. Dazu drückt man ein Symbol so lange, bis es zu Flackern beginnt; die anderen Symbole werden jetzt darauf gezogen und fallen gelassen. Das Betriebssystem kann anhand der Programmkategorie einen Ordnernamen vorschlagen. Ordner werden auch über iTunes 9.2 am Mac oder PC erstellt werden können.
Bislang listet Mail die Posteingänge mehrerer Konten getrennt auf. Mit dem neuen Mail wird ein globaler Postausgang angeschafft, der aber ein Sortieren nach Konto erlaubt.
Anhänge können in OS 4 auch von Drittanbieter-Apps geöffnet werden.
iBooks
Sicherlich mit Blick auf den in den USA erfolreichen E-Book-Reader “Kindle” von Amazon ist das iPad entstanden. Eine seiner Funktionen, das Lesen von E-Books wird auf dem iPhone mit der App “iBooks” möglich. Für das iPhone gibt’s allerdings nur die kleinere Ausgabe des Readers: maximal neun Bücher passen ins virtuelle Regal. Komplette E-Books mitsamt ihrer Lesezeichen können zwischen mehreren Geräten synchronisiert werden.
Game Center
IM App Store sind derzeit 185 000 Anwendungen erhältlich, 50 000 davon sind Spiele. Da war es eine Frage der Zeit, bis Apple Spiele besser ins OS integrieren und ein “Game Center” bereitstellen würde. Game Center ist ein ganzes Netzwerk, über das man andere Spieler zu Spielen einladen kann. Dazu gibt’s eine Fortschrittsübersicht und die obligatorischen Highscores.
iAd
iAd ist Apples neue Plattform für internetbasierte Werbung auf Mobilgeräten. Die “iAds” werden direkt in (kostenlose) Apps integriert. Sie basieren laut Jobs auf HTML5 und er zeigte auch gleich, was möglich ist: die Beispielwerbung bestand aus einem Spiel und einem Video.
Öffnet man die Werbung, wird die laufende App nicht beendet, die Werbeeinblendung belegt aber das komplette Display. Sie kann jederzeit geschlossen werden.
Entwickler, die iAd in ihren Apps einsetzen, erhalten 60 Prozent der erzielten Umsätze.
Multitasking
Das wurde auch Zeit, dürften sich so einige denken. Das iPhone und sein jüngerer Bruder iPad standen und stehen in der Kritik, trotz moderner Technik Multitasking auf Anwenderebene vermissen zu lassen. Apple sah bislang nur eine offene App vor. Will man in OS 4 eine weitere App starten, gehrt man wie gewohnt zum Home Screen zurück und wählt die App aus. Mehrere gleichzeitig laufende Apps (“Tasks”) verwaltet man über ein Menü, das sich durch doppeltes Drücken des Home-Buttons öffnen lässt.
Durch das Multitasking wird es zum Beispiel möglich sein, Musik (mit der iPod-App oder dem Radio) zu hören und gleichzeitig zu surfen. Das Prinzip ist auch beim Telefonieren mit Skype möglich.
Mit “Fast App Switching” kann der Zustand einer App gespeichert werden und die Ausführung später fortgesetzt werden, das dürfte besonders bei Spielen gern genutzt werden.
“Task Completion” ermöglicht es einer Anwendung, ihre Aufgabe abzuschließen und sich dann automatisch zu beenden.
Das leider immer noch nicht echte Multitasking funktioniert übrigens nur auf dem iPhone 3G S und dem iPod Touch 3G.
Noch mehr…
Die kleineren, für den Anwender nicht sofort ersichtlichen Neuerungen sind:
- 5-facher digitaler Zoom für die Kamera und Tippen, zum fokussieren
- Unterstützung für Bluetooth-Tastaturen
- Multitasking VOIP-API
- Gesichtserkennung in Fotos
- Fotos mit Standort-Tags versehen
- Hintergrundbild für den Home Screen
- Rechtschreibkontrolle
- Zeichen in SMS-Kurznachrichten zählen
- Playlists erstellen
- IMAP-Notizen synchronisieren
- Geburtstagskalender
- Wake on Wireless
- Historie für Suchvorgänge
- Größere Schriftarten in Mail und SMS
- SMS und MMS durchsuchen
- Unterstützung für mehrere Exchange-Benutzerkonten
- Unterstützung für SSL-VPN
- Mobile Device Management (drahtlose Gerätekonfiguration für Unternehmen)
Das iPhone OS soll für Endkunden im Sommer erhältlich werden. Registrierte Entwickler können das OS 4 und das passende SDK bereits über das iPhone Developer Program beziehen.
- Heise Online: iPhone OS 4 bringt Multitasking
- Basic Thinking: iPhone OS 4.0: Die Top-Features im Überblick
- Wikipedia (en): iPhone OS Version History
- Bild: “Steve Jobs and the iPhone” von dfarber
iPad am Start
Viel besser als erwartet begann in den USA am Wochenende der offizielle Verkaufsstart für Apples neuestes Produkt: das iPad. 700 000 Geräte sollen bereits verkauft worden sein, mit 400 000 rechnete man.
Apple profitiert ganz klar von seiner perfekten Vermarktung und von den “Fans” – denn die waren es, die das neue Gadget bereits vorbestellt hatten, 300 000 an der Zahl. Die Spontankäufer hatten dagegen schlechte Chancen. Zwar sollen sich die Massen an Warteschlangen in Grenzen gehalten haben, dafür konnten diejenigen, die ihr iPad reserviert hatten, es bequem abholen. Die Verkaufszahlen überragten die des iPhone deutlich: 270 000 Smartphones verkaufte Apple in der gleichen Zeit. Dem iPad dürfte der immer noch aktuelle Hype um das iPhone zugute gekommen sein.
Spätestens seit der Präsentation im Januar wurde das iPad gerne mal als großes iPhone verspottet. Dass das hin und wieder gerechtfertigt ist, zeigt, was drin steckt und was darauf läuft:
Das Betriebssystem basiert auf dem iPhone OS und unterstützt alle im App Store erhältlichen iPhone-Apps ausnahmslos. Genau wie das iPhone beherrscht das iPad Multitasking – doch auch nur eingeschränkt. Apple hat nicht vorgesehen, dass zwei Anwendungen gleichzeitig laufen. Theoretisch wäre das dank der Xcode-Plattform möglich und wird auch für den Benutzer unsichtbar genutzt. Die Betriebssystemprozesse laufen im Hintergrund weiter, während eine Anwendung läuft.
Wie das iPad von Innen aussieht, zeigt der Artikel iFixit zerlegt das iPad: So sieht Apples Tablet von innen aus bei Basic Thinking.
Getrübte Stimmung: zu viel Sonne und dunkle Displays
Inmitten der vielen Gerüchte um zu dunkle Displays ist eines bestätigt: das iPad mag keine hohen Temperaturen. Apple empfiehlt eine Umgebungstemperatur von 22°C, die Obergrenze soll bei 35°C erreicht werden. Wer sein iPad im Auto oder in der Sonne liegen lässt, kann die Meldung “iPad needs to cool down before you can use it” bekommen. Von dem Tipp, das Gerät zum schnellen Wiederverwenden einfach in den Kühlschrank zu legen, rate ich übrigens ab: zu hoch ist das Risiko, dass sich außerhalb des Kühlschranks Kondenswasser niederschlägt und die Elektronik beschädigt.
Das die dunkel erscheinenden Displays angeht: Die Helligkeit soll dem Umgebungslicht angepasst werden. Es ist daher anzunehmen, dass die Bilder von scheinbar schwach beleuchteten iPads bei schwachem Licht entstanden sind.
Verschleierungsversuche am CERN
Wollen die schlechten Nachrichten an diesem Tage denn nicht enden?









































