Ballern in Open Source


Wirklich neu ist es, da bereits 2002 mit der Programmierung begonnen und es 2005 veröffentlicht wurde, schon lange nicht mehr. Obwohl es sich um etwas besonderes handelt, nämlich den erfolgreichsten Open-Source-Shooter, mangelt es ihm an Bekanntheit, welche hiermit ein wenig erhöht werden soll.

Nexuiz, DarkPlaces

Die Rede ist Nexuiz, das von Alientrap auf der Basis des Quake-Engine-Abkömmlings “DarkPlaces” entwickelt wurde. Ja, richtig: Nexuiz ist irgendwie mit Quake verwandt, wenn auch inzwischen entfernt. Je weiter sich das Spiel und die Engine entwickeln, desto weiter entfernt es sich vom (noch erkennbaren) Quake-ähnlichen Aussehen, teilt mit ihm jedoch das gemeinsames Genre der Deathmatch-Shooter im futuristischen Design.

Nicht nur die Plattform teilt sich Nexuiz mit Quake, auch einige Maps wurden für den Neffen portiert. In ihrem Aufbau sehen die in ihrer Struktur, das muss man sagen, einfach aus. Ebenen, Wände und Stufen bestehen aus aneinandergefügten “Blöcken”. Aufgrund der Methode, wie Teile von Karten erschaffen werden, fehlen auch Effekte wie eingebrochene Wände, Unebenheiten in Flächen oder einfach nur Gegenstände, die man als Werkzeuge oder Waffen einsetzen könnte (Vergleiche: Half-Life 1 und 2).

Grafik-Engine von 1996

Um auf der Höhe der Zeit zu sein, brachten die DarkPlaces-Entwickler der elf Jahre alten Quake-Engine zeitgemäße Effekte wie Bloom, Shader, Koronas und sogar Spiegelungen bei – letztere wirken meiner Meinung ScreenShot049nach aber nicht sehr lebhaft, auch sind Spiegelungen oft nicht rechnerisch korrekt, was sich insbesondere darin äußert, dass gespiegelte Objekte um einige Grad gedreht werden.

Die Effekte kommen bei DarkPlaces besonders in Explosionen und Blutspritzern (abschaltbar! ;-)) zur Geltung.

Läuft fast überall

Die Kombination aus einfach gehaltenen Karten und Spielermodels aber mittelwertigen Grafikeffekten beschert Nexuiz ein unverkennbares Aussehen und gleichzeitig einen enormen Vorteil: es läuft auch auf alten PCs; nein, nicht nur da, sondern auch auf Apples PowerPC-Plattform.

Wer Nexuiz herunterlädt, bekommt ein Zip-Paket, das nach dem Entpacken überall gestartet werden kann: auf Windows-PCs mit x86-, AMD64- oder Intel 64-Plattformen, auf Macs der PowerPC- und Intel-Generation und auf UNIX- und GNU/Linux-Abkömmlingen, die auf diesen Plattformen betrieben werden. Aus dem heruntergeladenen Archiv muss man nur die Anwendung starten, die für die Kombination aus Hardware und Betriebssystem konzipiert wurde. Anschließend (es ist empfehlenswert!) muss man die Einstellungen für Grafik und Steuerung (besonders Maus) anpassen und dann kann man eigentlich schon loslegen.


Die Verwendung von DarkPlaces erlaubt es, das Spiel auch auf schwachen Rechnern zu starten. Ein Prozessor mit mindestens 1 GHz sollte aber vorhanden sein, auf die Grafikleistung kommt es, da das auf dem Prozessor berechnete OpenGL zum Einsatz kommt, weniger an. Die Entwickler empfehlen neben genannter CPU-Geschwindigkeit mindestens ein halbes GiB Arbeitsspeicher und eine Nvidia-Grafikkarte der GeForce 2-Serie oder eine vergleichbare ATI-Karte der frühen Radeon-Generation.

Der Versuch, Nexuiz auf meinem Business-Notebook (Lenovo R500 mit Intel-Chipsatzgrafik und 32 MiB Grafikspeicher) zu starten, glückte: selbst im Effekteprofil “High” lief das Spiel flüssig, erst nach dem Umschalten zur höchsten Stufe “Ultra” waren bei schnellen Drehungen Ruckler bemerkbar.

Gameplay

Spiele unterschiedlicher Hersteller spielen sich unterschiedlich. Natürlich trifft das auch auf Nexuiz zu. Als jemand, der Steam-Spiele der ersten Generation und mit Source-Engine gewohnt ist, muss ich jedoch sagen: Nexuiz spielt sich einfacher, flüssiger und es ist übersichtlicher. Es gibt nicht diese Überraschungstreffer anderer Spieler, umgekehrt ist es so, dass man nur selten von Spielern getroffen wird, die gerade weiter weg sind. Das hängt natürlich auch mit den verfügbaren Waffen zusammen: eine Armbrust wie aus Half-Life, die präzise Schüsse erlaubt, fehlt in Nexuiz, Nexuiz hat mehr die Art von Waffen, die mit einem Schuss alles in ungefährer Schussrichtung zerfetzen könnten, mal mehr, mal weniger stark. Schwierig wird’s dann, wenn sich Spieler übermäßig heilen: was in Half-Life nur bis 100 Prozent möglich ist, funktioniert in Nexuiz über die Grenze hinaus. Wer lange genug sammelt, kommt über 300 Prozent und kann entsprechend schwieriger besiegt werden.

Wichtig fürs Überleben ist auch: in Bewegung bleiben. Spieler, die sich ScreenShot046bewegen, sind schon auf mittlere Entfernungen schwer zu treffen, hier braucht der Angreifer etwas Erfahrung, um sich seine Punkte zu holen. Eine gute Taktik setzt Kenntnis von der Karte voraus, ich habe die Erfahrung gemacht, dass gegnerische Spieler oft nur geradeaus schauen, um nach anderen Spielern zu suchen. Bietet sich die Gelegenheit, kann man sich hinter einem Vorsprung oder einer Wand verstecken, wenige Sekunden später müsste der Verfolger ja vorbei kommen. Natürlich muss man damit rechnen, dass auch der die Karte kennt und vielleicht einen Umweg sucht. Hier ist es wie in allen Spielen des Genres: wer campt, der verliert.


Für jeden

Die zwar klassische, dafür aber aufpolierte grafische Darstellung des Spielgeschehens trifft besonders bei Liebhabern von Spielen der 90er Jahre den Geschmack. Besonders die einerseits einfach gehaltene Darstellung von Räumen und Figuren in Nexuiz aber auch aufwendige Effekte auf einigen Oberflächen und beim Abfeuern von Waffen schaffen eine Atmosphäre, die besonders den Spielern der Jahrtausendwende gefallen dürfte.

Die Oberfläche setzt sich aus den Punkten “Singleplayer”, “Multiplayer” und “Settings” zusammen,

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sie wirkt modern gestaltet und bringt neben der Live-Vorschau der drei Punkte nett anzusehende Features wie Transparenz, Fensteranimation und die Sofortübernahme von Einstellungen. Das steht komplett im Gegensatz zu der 3D-Retro-Grafik des Spiels.

Wer etwas Neues ausprobieren und dafür wenig Zeit aufwenden will, sollte Nexuiz einmal ausprobieren. Für mich als langjähriger Gelegenheits-Steam-Spieler ist es eine willkommene Abwechslung und es eignet sich, da kostenlos erhältlich, auch für den schnellen Einsatz auf spontanen LAN-Partys bei Freunden: übers Netzwerk kopieren, Grafikeinstellungen anpassen und loslegen. Laufen tut es ja sogar mit den 32 MiB Grafikspeicher im Notebook.