Windows 7 im Unternehmen


Ist Ihr Unternehmen bereit für Windows 7? Die Zeit läuft Ihnen nämlich davon: In acht Tagen kommt das neue Windows nämlich in den Handel.

Als Betreuer eines Firmennetzwerks sollten Sie sich schon Gedanken darüber gemacht haben, ob der Umstieg sinnvoll oder sogar vonnöten ist. Läuft dort neue Hardware mit einem vergleichsweise alten Betriebssystem? Müssen Sie aus der Hardware mehr herausholen? Brauchen Sie eine moderne Plattform, die auf Wunsch abwärtskompatibel gemacht werden kann? Brauchen Sie ein sichereres und zugleich zuverlässigeres System?

Oder anders gefragt: Läuft die IT bereits mit Windows Vista und Sie sind damit im Hinblick auf die Leistung unzufrieden?

In diesen Fällen ist der Wechsel auf Windows 7 sinnvoll – denn blicken wir doch mal nüchtern auf XP: Es ist inzwischen acht Jahre alt, holt aus neuer Hardware nicht mehr das beste raus und was die Sicherheit angeht, gelten heute ganz andere Ansprüche.

Windows 7 konnte fast 10 Monate lang getestet werden: Ende 2008 tauchten erste Betaversionen auf, im Januar verteilte Microsoft sie offiziell. Im Mai kam der feature-vollständige Release Candidate, der erste Vergleiche mit dem zuließ, was in etwa einer Woche auf den Markt kommen wird. Seit August können Abonnenten des MSDN die finale Version testen und wer das Glück hatte, als Gastgeber für eine Windows 7-Launchparty ausgewählt zu werden, ist bereits im Besitz zweier vollwertiger Installations-DVDs.

Gut Vermarktet

Netzwerkadministratoren sollten sich spätestens jetzt auf die Fragen der Mitarbeiter einstellen: Hersteller Microsoft sowie die Partner sind vom neuen Windows so überzeugt, dass sie es mit einer Summe von einer Milliarden US-Dollar vermarkten. Es sollte Sie nicht verwundern, wenn Sie bald viele Fragen zu Windows 7 beantworten müssen, etwa: “bekommen wir das auch”?

Das ist toll

Erhöhte Stabilität

Einen hängenden Windows-Explorer, weil ein Ordner zu viele Bilder enthält, Media-Player-Abstürze, weil Videos beschädigt sind und Rettungsversuche mit dem Task-Manager wiederholten sich bei den XP-Powerusern dauernd. Systemabstürze, weil Windows ein USB-Gerät nicht annahm waren die schlimmeren Fälle. Seit Vista hat sich hier vieles getan: Abstürze von Windows-Programmen sind eine Seltenheit geworden, Treiber von Drittanbietern müssen zertifiziert sein um die Funktionalität mit Windows Vista/7 zu gewährleisten. Zwar gab es die Signaturprüfung schon in XP, so richtig strenge Grundsätze dafür wurden aber erst in Windows Vista begründet, als sich unzertifizierte Treiber in der 64-Bit-Version gar nicht installieren ließen.

Mehr Sicherheit

Mit Vista wurde die UAC (Benutzerkontenüberwachung) eingeführt. Die fängt seither alles ab, was tief ins System eingreifen will – damit es weitergehen kann, muss der Benutzer einen Dialog abnicken, der den Nutzer sogar durch farbliche Darstellung warnen kann: silber oder blau ist gut, gelb ist nicht zertifiziert und rot bedeutet “gefährlich”. Oft bemängelt wurde, dass Windows Vista den Nutzer bei derselben Aktion mehrfach fragte. Mit ein paar Updates wurde das behoben, trotzdem frug Windows viel zu oft nach. In Windows 7 kann man jetzt die Benachrichtigungsstufe anpassen. So warnt Windows etwa nur bei der Änderung von Systemeinstellungen, nicht aber bei der Programminstallation oder wenn Berechtigungen geändert werden.

Internet Explorer wird modern

Der Microsoft-Browser galt lange als veraltet und wurde kritisiert, weil er geltende Standards erst lange nach ihrer Veröffentlichung beherrscht. Mit Internet Explorer 7, der Bestandteil von Vista wurde, folgte Microsoft endlich dem bei der Konkurrenz selbstverständlichen Trend nach standardkonformem Rendern von Websites. Internet Explorer 8 ist inzwischen so weit, dass er den “Acid 2-Test” besteht und rendert normalerweise nach geltenden Standards – geht eine Website nicht, kann man den Kompatibilitätsmodus verwenden, der wie der Vorgänger rendert.

Medien im Zentrum

Seit Windows Vista stehen Medien im Zentrum. Media Player, die Diashow, Medienfreigaben machen die Verwaltung und Verwendung anderer Geräte im Netzwerk einfacher.

Computer können gut aussehen

Spätestens 1995 sollte die Welt gemerkt haben, dass Computer mit einer grafischen Oberfläche bedient werden können. Die wurde quasi regelmäßig verbessert und erreicht unter Windows Vista/7 ihre Höhepunkte mit Aero. Aero ist eine Technik, die nicht nur transparente Fenster macht, sondern mit Flip3D, Peek und Shake Funktionen bereitstellt, die das Arbeiten beschleunigen können. Für XP gibt es diese Techniken übrigens nicht oder nur schlecht nachgebaute Kopien davon.

Das vielleicht nicht

Taskleiste

Windows-Affine werden sich mit der erneuerten Arbeitsoberfläche von Windows 7 schnell anfreunden, vielleicht braucht man eine Eingewöhnungsphase, aber danach klappt der Umstieg sicherlich gut. Obwohl Vieles für die neue Taskleiste sprach wollte ich mich daran zunächst nicht gewöhnen: das Umschalten zwischen mehreren Fenstern eines Programms fiel mir anfangs schwer, aber jetzt möchte ich die aufgeräumte Taskleiste nicht mehr missen.

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Wer mir ihr trotzdem so seine Probleme hat, kann sie übrigens ohne viel Aufwand auf “klassisch” einstellen: Eigenschaften der Taskleiste, “Kleine Symbole” verwenden und die Gruppierung deaktivieren.

Schwieriger wird die Umgewöhnung, bei denjenigen, die mit Windows 7 arbeiten müssen. Viele Büroarbeiter werden die klassische Taskleiste vermissten.


Wer sich jetzt noch das klassische Startmenü herwünscht, hat Pech gehabt: das gibt es unter Windows 7 nicht mehr und ich finde es nicht schlimm: Seit man nur die Anfangsbuchstaben eines Programms eintippen muss und die zuletzt verwendeten sowieso immer angezeigt werden, verzichte ich gern auf das mehrfach aufklappende riesige Startmenü.

Kompatibilität

Windows 7 ist eine Weiterentwicklung von Vista und wird auch von Microsoft so behandelt. Programme, die unter Vista liefen, sollen auch unter 7 laufen. Aber wie sieht es mit älteren Programmen aus?

Microsoft hat an den Kompatibilitätsmodi geschraubt, um sie besser auf alte Programme einzustellen, für schwere Fälle gibt es ein besonderes Schmakerl: Per Update kann man “XP Mode” installieren, genau genommen handelt es sich dabei um eine virtuelle Maschine, auf der Windows XP läuft – und nach Microsofts Vorstellung darin die Programme, die unter 7 nicht laufen. Natürlich müssen sie elegant ins Hostsystem eingebunden werden: In “XP Mode” installierte Programme finden sich im Windows 7-Startmenü wieder und können auf dem Windows 7-Desktop verwendet werden. Es ist nicht erforderlich, dass dabei das Virtual PC-Fenster, in dem die virtuelle Maschine läuft, geöffnet ist.


Wo ist der Haken? Erstens, XP Mode ist für Firmen vorgesehen, die teilweise auf alte Programme angewiesen sind und zweitens, irgendjemand muss sie einrichten und verwalten. Die vollwertigen virtuellen XP-Computer auf jeder Windows 7-Installation mit XP Mode müssen genauso gewartet werden wie die echten PCs. Sie müssen durch kostenintensive Antivirenprogramme geschützt und mit Updates versorgt werden. Letzteres lässt sich relativ leicht über die Windows Server Update Services lösen, bei ersterem muss man derzeit noch auf günstige Lösungen der Hersteller von Antivirenprogrammen hoffen.

Fazit

Gegen Windows 7 sprechen im Moment nur die ungewohnte Bedienung (speziell im Bezug auf die Taskleiste) und eventuell hoher Aufwand, wenn darin ältere Programme verwendet werden sollen. Natürlich gibt es für jetzteren Fall alternative Lösungen:

Wer es sich leisten kann, aber viel Arbeit scheut, der kann zum Beispiel einen Terminalserver mit Windows 2003 aufsetzen und Mitarbeiter, die bestimmte Programme nicht auf ihrem Windows 7-PC ausführen können, verwenden das Remotedesktop des Terminalservers. Bleibt nur die Frage: sind Remoteclientlizenzen unterm Strich günstiger?

Für Windows 7 im Unternehmen sprechen vor allem die erhöhte Stabilität, die verbesserte Sicherheit und die mitgelieferten Möglichkeiten zur Wartung, etwa die eingebaute Sicherung, mit der sich komplette PCs oder einzelne Verzeichnisse regelmäßig auf eine externe Festplatte oder Netzlaufwerke sichern lassen.

Es läuft – im Gegensatz zu Windows Vista – sogar auf “Uralt-Hardware”. Es ist kein Muss, zeigt aber, dass man nicht die neueste Hardware braucht, um das ganz neue Windows verwenden zu können. PCs, die vor vier Jahren aktuell waren, dürften für Büroarbeit bestens ausreichen. 1 Gigabyte RAM sollte aber drinstecken.

Viele Systemadministratoren fühlen sich durch die bestehende Infrastruktur dazu gedrängt, zum Beispiel ausschließlich neue PCs mit Windows XP zu kaufen. So kommt es, dass beispielsweise 97 Prozent aller PCs im Unternehmen mit XP laufen, während vor einem Jahr etwa 3 Prozent mit Vista liefen – und die standen alle in der EDV-Abteilung. Wahrscheinlich sieht es jetzt auch bei vielen so aus, dass statt Vista Windows 7 läuft und auf den restlichen immer noch XP. Wo fängt man mit dem Umstieg an? In den Büros nebenan, damit man schnell vor Ort ist, wenn es brennt, um sich wieder einmal zu überzeugen, dass das Problem nur ein Verständnisproblem war? Und was, wenn jemand gar nicht mit 7 arbeiten will und lieber bei XP bleibt?

Selbst der Umstieg von Office 2003 auf 2007 konnte noch nicht vollendet werden: Diejenigen, die dazu “gezwungen” werden, haben sich damit angefreundet, während die, die es gelegentlich nutzen, immer noch zu klassischen Menüs, fetten Dateiformaten und doppelten Zeilenumbrüchen zurückwollen. Genau solche Gründe sind in meinen Augen die schwierigsten Hindernisse beim Umstieg von Windows XP auf 7. Aber man kann sich an alles Neue gewöhnen.