Serienfotos mal anders


Seit einiger Zeit stellt Microsoft über seine Research-Portale so allerhand interessante Projekte und Forschungsobjekte vor. Da waren zum Beispiel Touchless und Songsmith. Auch schon etwas länger bekannt, ist Photosynth als Bestandteil des Windows Live-Angebots. FischMit Photosynth lassen sich – etwas vereinfacht formuliert – mehrere Fotos, die ein Objekt aus verschiedenen Perspektiven zeigen oder Fotos, die Ausschnitte eines größeren Objekts zeigen, zu einem Bild, zusammensetzen, durch das man sich bewegen kann – man nennt es dann ein “Synth”.

Um eigene Synths zu erstellen, braucht man das Programm “Photosynth”, das einem beim Besuch der Photosynth-Website angeboten wird, eine Windows Live-ID und ein paar Fotos vom selben Objekt.
Das Programm ist denkbar einfach zu bedienen: Man gibt dem neuen Synth einen Name, wählt mindestens drei Fotos, die dafür verarbeitet werden sollen und startet das Zusammenfügen. Sogar das Hochladen des Synths (damit man es nachher anschauen kann, das geht nur über die Website) und der Fotos erledigt das Programm für einen.

Die fertigen Synths werden unter Ihrem Profil (das Sie nach dem ersten Start des Programms anlegen müssen) angezeigt und können von anderen Besuchern der Website betrachtet werden.

Erfahrungen mit Photosynth

Ein paar meiner Synths (derzeit ein altes Laptop, ein Lego-Auto und ein Plüsch-Fisch) können Sie auf meiner Profilseite ansehen. Mit den von mir gewählten Objekten schien Photosynth möglicherweise aufgrund der geringen Größe ein paar Probleme zu haben. Bildteile, die es nicht zuordnen konnte, wurden als eigene 3D-Gruppe in das Synth eingefügt. So sieht man meinen Fisch in der ersten Gruppe von schräg oben und in der zweiten Gruppe von  hinten rechts.


Fisch Fisch

Andere Benutzer haben bei der Erstellung von größeren Objekten nur wenige Fotos verwendet, die viel Objektoberfläche eingefangen haben. Meine Idee, Bilder wie Kacheln zusammenzusetzen hat beim Laptop nicht funktioniert, hier ist nur ein Teil der Innenseite sichtbar geworden:

image

Obwohl ich über 180 Fotos vom Laptop gemacht habe, konnte Photosynth sie nicht demselben Objekt zuordnen. Photosynth bewertet dieses Synth als “63% synthy”. Als ich dem Programm nur die ersten 74 Fotos gab, die das Laptop fast vollständig zeigten, bewertete Photosynth das Ergebnis zu “85% synthy”, es ist also wesentlich besser als der Versuch mit den Nahaufnahmen. Nur einige unscharfe Fotos oder solche, die aus stark abweichenden Perspektiven aufgenommen wurden, wurden einer weiteren 3D-Gruppe zugeordnet.


100% synthy

Mit etwas Übung werden die Synths immer besser. Man sollte auch etwas über die Theorie wissen: zum Beispiel, dass sich das Programm beim Zusammenfügen der Bilder allein an der Oberflächenstruktur (nicht an der Form!) orientiert. Das kann natürlich problematisch werden, wenn Oberflächen aufgrund des Lichteinfalls spiegeln oder der Farbunterschied zu anderen Bildern stark abweicht. Wenn Photosynth den Sprung von einem Bild zum anderen nicht findet, etwa weil der Unterschied zwischen den Aufnahmewinkeln zu groß ist oder man plötzlich eine Fläche beleuchtet, werden die Bilder in 3D-Gruppen aufgeteilt – dann kann man im Ergebnis nicht einfach um ein Objekt herumwandern oder sich darin bewegen (wenn es ein Raum ist).

Wenn Sie sich fertige Synths von größeren Objekten anschauen (ich kann Ihnen als Beispiel das Denkmal “pomnik powodzianina” vom Benutzer “devil33”, “100% synthy”, empfehlen), werden Sie beim pomnik powodzianinaDarüberfahren mit der Maus Andeutungen von Rechtecken sehen – das sind Nahaufnahmen von entfernten Objekten. Sie können sich einem Objekt nähern und zum Beispiel die Details des Denkmals anschauen. Wenn Sie nun P drücken, werden nur die Punktewolken angezeigt, an denen sich Photosynth beim Zusammensetzen der Einzelbilder orientiert.

Wenn Sie ein Objekt gefunden haben, das Sie aus Fotos zu einem Synth verarbeiten wollen, planen Sie am besten, wie Sie beim Fotografieren vorgehen wollen:

  • Machen Sie großflächige Aufnahmen bei großen Objekten und vermeiden Sie viele Überschneidungen, damit nicht zu viele Bilder unbrauchbar sind und “verloren” gehen
  • Fassen Sie kleine Objekte möglichst ganz in die Einzelbilder ein, vermeiden Sie zu große Winkel zwischen den Aufnahmepositionen
  • Um Probleme mit Reflexionen und Schatten zu vermeiden, drehen Sie sich um das Objekt, nicht umgekehrt
  • Vermeiden Sie zu starke Helligkeitsschwankungen
  • Falls Sie Details von einem größeren Objekt einfangen wollen, fotografieren Sie es zunächst aus der Ferne und dann aus der Nähe – Fotos aus Zwischenpunkten der Strecke können oft nicht zugeordnet werden
  • Ich wünsche viel Spaß beim synthen!

3 Gedanken zu „Serienfotos mal anders

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